Meine ÖBB: Zwischen „Bundesbahnblues“ und Highspeed-Internet

Sonstige / Zeitung / ÖBB Magazin / 2022-09-12 17:00

Einleitung

„When I was travelling through this country, travelling with the Bundesbahn” – so beginnt der legendäre Bundesbahnblues von Helmut Qualtinger. In seiner Reise durch Österreich fährt Qualtinger auf seiner Suche nach seinem Baby durch Orte, wo heute wahrscheinlich bestenfalls noch ein Regionalzug Station macht. Zwar wünsche ich mir aus privaten Gründen eine bessere und raschere Verbindung zwischen Salzburg und Graz, doch meine Hauptstrecke ist die Verbindung von Salzburg zum Wiener Flughafen und retour

Detail

Meine ÖBB: Zwischen „Bundesbahnblues“ und Highspeed-Internet „When I was travelling through this country, travelling with the Bundesbahn” – so beginnt der legendäre Bundesbahnblues von Helmut Qualtinger. In seiner Reise durch Österreich fährt Qualtinger auf seiner Suche nach seinem Baby durch Orte, wo heute wahrscheinlich bestenfalls noch ein Regionalzug Station macht. Zwar wünsche ich mir aus privaten Gründen eine bessere und raschere Verbindung zwischen Salzburg und Graz, doch meine Hauptstrecke ist die Verbindung von Salzburg zum Wiener Flughafen und retour. Ich arbeite im Zug, und vor allem auf dem Weg zum Flughafen vergeht die Zeit wie im Flug. Wenn ich aber von einer Dienstreise nach Hause will, so zählt jede Minute an Verspätung doppelt, obwohl ich mit der ÖBB im Grunde zufrieden bin, und das nicht erst seitdem ich die Deutsche Bahn mit ihrem schlechten Komfort und ihrem noch schlechteren Internet erlebt habe. In diesem Sinne sehe ich meine ÖBB positiv - ebenso wie Helmut Qualtinger, der mit seinem Blues keinesfalls ein Schmählied geschrieben hat. Für mich ist der Zug ein Arbeitsplatz; das Internet ist für mich daher sehr wichtig. Wichtig ist für mich auch genügend Platz am Arbeitsplatz; aus diesem Grund sitze ich immer in dem Abteil direkt hinter dem Speisewagen, wo es einen Vierer-Tisch gibt, der zum Glück vielfach kaum besetzt ist. Zwar nutze ich regelmäßig den Railjet, doch mein Herz trauert den kleineren Abteilen nach, wo ich viel lieber gesessen bin als in den Großraumabteilen; sie kann ich nicht immer vermeiden, obwohl ich sie ebenso wenig mag wie Großraumbüros. Diesen Artikel habe ich ebenso wie Teile meines neuen Buches „Mein Journalistenleben - Zwischen Darth Vader und Jungfrau Maria“ im Zug und an meinem Lieblingsplatz geschrieben. Wie fast immer reservierte ich den Sitzplatz, musste aber feststellen, dass der Platz besetzt war, und zwar zu Recht! Denn beim Kauf der Karte hatte der Mann am Schalter das falsche Datum eingetragen, und diesen Fehler bemerkt ich erst im Zug. Dort löste der menschliche Schaffner das Problem; er akzeptierte die Fahrkarte, zerriss sie aber, damit sie nicht noch einmal am eingetragenen Datum verwendet werden konnte. Die Freundlichkeit des fahrenden Personals ist kein Einzelfall; mir gegenüber sorgte sie aber auch für Belustigung, wenn ich gemeinsam mit meiner Gattin unterwegs bin. Sie verwaltet die Karten und zeigt sie daher ebenso zuerst her wie ihre Vorteilskarte. Bei mir verzichteten Schaffner wiederholt auf das Zeigen meiner Karte mit dem Satz: „Bei Ihnen, Herr Wehrschütz, weiß ich, dass Sie die Karte mithaben.“ Meine Gattin nahm dieses „Privileg des Prominenten“ mit gespielter Entrüstung hin. Ich muss aber bekennen, dass ich nach den ersten derartigen Ereignissen auch schon einmal vor zum Schaffner ging, ihm meine Vorteilskarte zeigte, und ihn verschmitzt bat, er möge sie bei der folgenden Kontrolle von mir nicht mehr verlangen. Auch das weiß meine Gattin, mit der ich schon 40 Jahre zusammen bin. Einen konkreten Wunsch haben wir jedoch – und der betrifft die Bahnhöfe. Es wäre hilfreich, gäbe es auf den Bahnsteigen viel mehr Gepäckwagerln. Neben einem Koffer habe ich bei Dienstreisen stets noch einen Rucksack und eine Tasche mit dem Laptop bei mir. Im Falle einer Urlaubsreise haben wir noch viel mehr Gepäck. Daher sollte es viel mehr derartige „Wagerl“ auf den Bahnsteigen aber auch beim Betreten der Bahnhöfe gäben, um den Reisenden das Leben zu erleichtern. Denn die Zeiten als man mit Paul Hörbiger und Hans Moser „Hallo Dienstmann“ rufen konnte, sind schon lange vorbei.