Magazin SOL über Walter Ernsting alias Clark Darlton

Sonstige / Zeitung / SOL / 2020-08-03 12:00

Einleitung

Schriftsteller, aber auch Journalisten, sind Menschen, die aller Leserbriefe oder Ehrungen zum Trotz nicht wirklich wissen, was sie mit ihren Werken auslösen, wie prägend sie auf ihr Publikum wirken. Ich habe Clark Darlton nie einen Leserbrief geschrieben, trotzdem haben seine Romane nicht nur einen guten Teil meiner Jugend geprägt. Das erste Heft der Serie erschien in dem Jahr, in dem ich g

Detail

Schriftsteller, aber auch Journalisten, sind Menschen, die aller Leserbriefe oder Ehrungen zum Trotz nicht wirklich wissen, was sie mit ihren Werken auslösen, wie prägend sie auf ihr Publikum wirken. Ich habe Clark Darlton nie einen Leserbrief geschrieben, trotzdem haben seine Romane nicht nur einen guten Teil meiner Jugend geprägt. Das erste Heft der Serie erschien in dem Jahr, in dem ich geboren wurde. 11 Jahre später kam ich zum ersten Mal mit Perry Rhodan in Berührung und war gefesselt. Jeden Tag fuhr ich nach der Schule zu einem Altwarenhändler und kaufte mir die fehlenden Hefte nach. 

Zu meinen Lieblingsfiguren zählt der Mausbiber Gucky, der untrennbar mit Clark Darlton verbunden ist; über den Supermutanten schrieb Walter Ernsting im Heft 307: „Für mich lebt Gucky. Wenn ich ihn schildere, sehe ich ihn vor mir, und lege alles in ihn hinein, was mir liebenswert und gut erscheint. Vielleicht wurde er auch deshalb so berühmt und beliebt – und lebendig.“ Die Plüschversion des Supermutanten habe ich nicht, sehr wohl aber das Buch „Lausbiber-Alarm“; meine Enkelin ist vier Jahre alt, die neuesten Hefte liegen immer in meiner Bibliothek; doch der „Lausbiber-Alarm“ soll mir helfen meine Enkelin ebenfalls an die Serie und Gucky heranzuführen, dessen Wesen keiner so geprägt hat wie Clark Darlton. Er schrieb auch den zweiten Roman, „Die dritte Macht“; wenn ich mich recht entsinne, stellt Crest in diesem Roman fest, dass Perry Rhodan aufgrund seiner Haltung und Weltsicht eine neue Art Mensch geworden ist – er bezeichnet ihn als ersten Terraner. Wahrscheinlich ist, dass hier Clark Darlton zum ersten Mal diese Bezeichnung verwendet, die dann – 998 Hefte später – William Voltz so eindrucksvoll am Ende von Band 1000 beschrieben hat.

Clark Darlton hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir alle über die Jahrzehnte hinweg in gewisser Weise Terranern geworden sind. Ich wohne seit einigen Jahren in Salzburg und damit in jener Stadt, in der Clark Darlton am Maxglaner Friedhof seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Begegnet bin ich ihm nie; trotzdem habe ich eine Autogrammkarte von Clark Darlton aus dem Jahre 1968. Sie hat mir ein Leser der größten Tageszeitung Österreichs zugeschickt, für die ich zum Erscheinen des Bandes 3000 einen Artikel über Perry Rhodan geschrieben habe. Das Foto hat einen Ehrenplatz in meiner PR-Sammlung.

Clark Darlton wäre heuer im Juni 100 Jahre alt geworden; doch er verfügte ebenso wenig wie alle anderen Autoren und Leser über einen Zellaktivator; trotzdem gilt auch für ihn, was der römische Dichter Horaz vor mehr als 2000 Jahren schrieb: „…Ein Denkmal habe ich aufgerichtet, unvergänglicher als Erz und höher ragend als königliche Pyramiden, das der Regen nicht zerfrisst, der Nordsturm nicht zerstört, auch nicht die endlose Reihe der Jahre noch auch die fliehende Zeit. Nicht völlig werde ich sterben; und ein gut Teil meiner selbst, wird der Tod nicht erfassen; …“  

Denn im Herzen der Perry-Rhodan-Leser lebt Clark Darlton weiter - auf jeden Fall dann, wenn der „Retter des Universums“ wieder in den Einsatz geht.