20260709 MiJ Ukraine Fire Point als kriegswichtiger Drohnenproduzent Wehr
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In der Stadt Omsk steht die größte Ölraffinerie Russlands; sie verarbeitet zehn Prozent des geförderten Öls und der größte Hersteller von Benzin im Land. Nun muss es allerdings heißen „verarbeitete“ und „produzierte“, denn der Betrieb steht still, weil die Ukraine diese Raffinerie vor wenigen Tagen mit Drohnen derart beschädigt hat, dass sie den Betrieb einstellen musste. Diese Treffer sind ein neuer Reichweitenrekord des ukrainischen Herstellers „Fire Point“, weil die Raffinerie mehr als 2400 Kilometer von der Ukraine entfernt in Russland steht. Mit dem Chefkonstrukteur von Fire Point, Denis Schtylerman, hat in Kiew unser Korrespondent Christian Wehrschütz gesprochen; hier sein Bericht:
Eine Fabrikhalle irgendwo in Kiew ist der Treffpunkt mit Denis Schtylerman, dem 52-jährigen Mitgründer und Chefkonstrukteur der Firma „Fire Point“. Verladen werden hier Komponenten von Drohnen; gefilmt werden darf nur wenig und nur unter strenger Aufsicht; beim Interview steht im Hintergrund eine Drohne vom Typ FP-1; sie hat eine Reichweite von bis zu 3400 Kilometer, kann 60 Kilogramm Sprengstoff tragen und wurde beim Angriff auf die Raffinerie in Omsk eingesetzt. Logisch ist, dass Russland bestrebt ist, ukrainische Werksanlagen zu zerstören, in denen Drohnen und Raketen gebaut werden. Wie versucht sich „Fire Point“ vor derartigen Angriffen zu schützen, frage ich Denis Schtylerman:
2:06
„Wir duplizieren immer alles mindestens, das heißt, wir haben keinen Standort, der nur einmal existiert. So haben wir ein Büro für Forschung und Entwicklung, und wir haben ein identisches derartiges Büro, das vollständig bereitsteht, mit leeren Büros, mit angeschlossenen Computern und allem Zubehör. Das ist für den Fall, dass das Büro zerstört wird, damit wir am nächsten Tag in das neue umziehen können. Wir kaufen niemals Maschinen in Einzelstückzahlen. Immer mindestens zwei, wenn nicht drei. Wir haben sogar vier oder fünf Reservestandorte für die wichtigsten Standorte, für alle Fälle.“
86 Standort hat „Fire Point“ in der Ukraine; die Firma zählt 7000 Mitarbeiter, 1000 davon arbeiten im Bereich Forschung und Entwicklung. Wichtige Teile der Aus- und Weiterbildung erfolgen im Betrieb. Bei den jüngsten russischen Angriffen konnte die ukrainische Luftabwehr keine einzige ballistische Rakete und auch keine Ultraschallraketen abschießen. Welche Lehren zieht Denis Schtylerman daraus?
6:18
„Das Hauptproblem ist derzeit das Fehlen ballistischer Raketen und selbst die existierenden Raketen sind sehr teuer. Deshalb schlagen wir ganz Europa vor, ein pan-ballistisches Schild zu schaffen, bei dem die Abfangkosten für ballistische Raketen auf bis zu eine Million Dollar gesenkt werden. Raketen vom Typ Iskander oder Kinzhal kosten die russische Armee derzeit etwa 700.000 Dollar pro Stück; zu ihrer Zerstörung braucht man mindestens eine, meistens zwei Patriot-Raketen, die jeweils sechs Millionen Dollar kosten; aus wirtschaftlicher Sicht ist das keine gute Idee. Daher wollen wir ein günstiges Abfang-System anbieten, das mit jeder Art von Zielverfolgungs- und Radarsystemen integriert werden kann, um ballistische Ziele abzufangen.“
Mit Deutschland und anderen europäischen Ländern hat die Ukraine auf diesem Gebiet bereits Verträge über eine Zusammenarbeit unterzeichnet; denn der Not gehorchend ist das Land führend bei der Entwicklung von Drohnen und Raketen, und davon wollen Berlin und Co profitieren.