20250611 FJ7 Evakuierung aus der Frontnähe bei Sumi Wehrsch Mod
Es ist ein wahrer Höllenritt mit dem wir im Auto der Polizeieinheit „Weiße Engel“ in Richtung Frontnähe fahren. Auf den ungepflasterten oder löchrigen Landstraßen wird der Klein-Lkw gehörig durchgeschüttelt. Unterwegs sind mein Kameramann und ich mit drei erfahrenen Polizisten, zwei alten Haudegen und der erfahrenen Alona, die bei den mehr als 1000 Evakuierungen von Zivilisten schon einiges erlebt hat:
„Dieses Fahrzeug ist gepanzert, aber einmal, das war vergangenes Jahr, als wir in einem Dorf gearbeitet haben, wurde dieses Fahrzeug beschossen, wir gerieten unter Beschuss. Ich wurde verletzt und war im Krankenhaus. Aber Gott sei Dank arbeiten wir jetzt weiter.“
Das Auto ist mit Starlink ausgestattet; Mir gegenüber sitzt Serhij; er hat ein spezielles Gewehr, das Drohnen bekämpfen kann, doch noch wichtiger ist ein kleiner Monitor mit zwei Antennen, den er wiederholt betrachtet: wozu dient das Gerät, frage ich Serhij:
„Damit können wir das Videosignal von Drohnen abfangen. Das heißt, wir haben eine Vorstellung von der Flugbahn und ungefähr welche Drohne es ist. Dann ergreifen wir bestimmte Sicherheitsmaßnahmen, um eine Begegnung mit ihr zu vermeiden.“
Analysen zeigten, dass die Überlebenschancen bei der Begegnung mit einer feindlichen FPV-Drohne im Freien sehr gering sind. Daher sind an besonders neuralgischen Abschnitten Netze über eine Straße gespannt, um den Anflug unmöglich zu machen. Evakuiert wird als erstes eine alte Frau, die wegen eines Oberschenkelbruchs nicht gehen kann. Zurück in Sumi wird sie in das Aufnahmezentrum gebracht, die erste Anlaufstelle für Binnenflüchtlinge. In diesem Zentrum können Flüchtlinge auch übernachten, erhalten Verpflegung und medinische Betreuung. Die zweite Evakuierung erfolgt bei einer zerstörten Brücke; fünf Frauen und einen Mann brachten Soldaten von ihrem Dorf zum Treffpunkt; es liegt etwa fünf Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Die Bewohner der Region leben vorwiegend von der Landwirtschaft erzählen mir Sergej und Nina:
„Schweine, Kühe, Traktoren und Felder und Arbeit, alles war da. Jetzt haben sie alles zerstört. Und jetzt sind die Felder verwüstet.“
Serhijs Frau lebt in der Stadt Sumi; dort wird auch er nun wohnen. Wie lange hängt wohl vom Kriegsverlauf ab, denn die Front ist nur mehr 20 Kilometer entfern.