Wasserknappheit als enormes Problem
Eine Straßenbahn in der Stadt Mikolajew in der Südukraine. Das Gefährt rumpelt derart dahin und macht einen derart baufälligen Eindruck, dass sich nur die Frage stellt, ob die Tramway älter oder gleich alt ist als ich, und ich bin immerhin 62 Jahre alt. Trotzdem erfüllt auch dieses Gefährt noch immer einen wichtigen Zweck für die Bevölkerung, weil in ihr zwei große Wasserbehälter des Roten Kreuzes stehen; von den Behältern führen Schläuche auf die Straße vor der Tramway. Wasser ist seit Kriegsbeginn knapp in der Stadt, daher herrscht ein reges Kommen und Gehen. Vorwiegend Frauen kommen mit Wägelchen im Schlepptau, in denen Plastikflaschen mit fünf Liter Volumen festgezurrt sind. Sechs Flaschen füllt die 76-jährige Maria ab. Wie oft kommt sie hierher?
45'2 - Wie oft? 48'6
"Jeden dritten Tag - ich bin allein."
In Mikolajew war die Wasserversorgung schon seit Kriegsbeginn schwierig. Anders war bis vor kurzem die Lage im Dorf Gruschewka, das bei einem Ausläufer des riesigen Wasserbeckens liegt, das der Damm Nova Kachovka gebildet hat. Nun bieten die ausgetrockneten Flächen des Reservoirs einen erschütterten Anblick; zum Vorschein gekommen sind Überreste der Zivilisation – vom alten Autoreifen bis hin zur Plastikflasche. Einzelne Wasser-lachen gibt es noch, doch die Fläche wirkt bereits eher wie ein Wüstenboden. Ob hier je wieder Wasser stehen wird, ist derzeit offen. Klar sind die Folgen für die Bauern des Dorfes Gruschewka, dazu sagt die Bäuerin Svitlana, die mit anderen Dorfbewohnern eine kleine Kuhherde zurück zum Dorf treibt:
56'0 - Lage im Dorf - 1'14'4
"Früher hatten wir Trink- und Nutzwasser, jetzt gar nichts. Dort hinter dem großen Baum ist ein Kanal; dort holen wir Wasser, dort tränken wir unsere Kühe und holen Wasser für unser Dorf."
Massiv betroffen ist auch die Industriestadt Krivij Rih; 70 Prozent der Bewohner, das sind 500.000, Bürger, wurden über das Wasser beim Staudamm versorgt. Jetzt sind unter anderem Tankwägen im Einsatz; doch gespart wird, wo immer es nur geht; das zeigt das Beispiel eines kleinen Sushi-Restaurants. Offensichtlich macht Kleinvieh Mist, schildert Kellner Nasar die Sparmaßnahmen:
"Für die Küche haben wir spezielle Wasserhähne eingebaut, die den Wasserverbrauch drosseln. Das gilt auch für das Waschbecken hier im Gastraum. Den Reis kochen wir Druckkochtopf, um weniger Wasser zu verbrauchen. So haben wir binnen zwei Tagen etwa 10 Liter Wasser gespart."
Ein neues Leitungsnetz soll die Versorgungsprobleme der Stadt lösen, betont der Bürgermeister der Stadt, Alexander Vilkul:
2'13'1 - Neues Projekt Wasser - 2'53
"Wie setzten jetzt ein Wasserleitungsprojekt um, dass die Stadt mit mehr als 10 Millionen Kubikmetern aus anderen Städten versorgen. Das sind mehr als 100 Kilometer an Rohren zu verlegen; hinzu kommen Pumpen und andere technische Geräte, die alle im Ausland gekauft werden müssen, weil es sie in der Ukraine nicht gibt."
Den Wettlauf gegen die Zeit dürfte die Stadt dennoch verlieren, denn das in einem Staubecken vorhandene Wasser reicht nur mehr für einen Monat. Zulieferungen und extreme Sparmaßnahmen im Hochsommer stehen nicht nur Krivij Rih bevor.