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Firtasch sieht sich als Opfer der USA

Fernsehen
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Berichte Ukraine
Volle drei Jahre währt nun bereits in Österreich das Tauziehen um die Auslieferung des ukrainischen Geschäftsmannes Dmitri Firtasch an die USA. Im März 2014 unter dem Vorwurf der Schmiergeldzahlungen für ein Indien-Geschäft verhaftet, lehnte das Gericht erster Instanz im April 2015 das US-Auslieferungsersuchen als politisch motiviert ab. Im Februar 2017 erklärte das Oberlandesgericht die Auslieferung aber für zulässig. Mit einer raschen Entscheidung ist nicht zu rechnen, weil der Rechtsstreit noch Monate dauern wird. Im Exklusiv-Interview für den ORF wirft Dmitri Firtasch den USA vor, seine Rückkehr in die Ukraine verhindern zu wollen:



Berichtsinsert: Christian Wehrschütz



Inserts: Dmitri Firtasch, ukrainischer Geschäftsmann



Gesamtlänge: 3’12



Der 51-jährige Dmitri Firtasch zählt in der Ukraine zu den wirtschaftlichen Schwergewichten. Er beschäftigt 100.000 Mitarbeiter und besitzt den größten Privatsender des Landes. Firtasch soll über sehr gute Beziehungen nach Russland verfügen; die Sanktionen des Westens lehnt er ab. Firtasch sieht sich als politisches Opfer der Ukraine- und Russland-Politik der USA:

"Die Sanktionen gegen Russland waren ein Fehler; davon versuchte ich Anfang 2014 auch europäische Politiker zu überzeugen. Doch dank der USA führte Europa Russland-Sanktionen ein, die nichts gebracht haben, während Europa viel Geld und Arbeitsplätze verloren hat. Nehmen Sie Österreich; Kanzler, Außenminister und Wirtschaftsminister sind gegen die Sanktionen und sie sagen auch, dass die Sanktionen nicht helfen. Die Ukraine muss eine Brücke zwischen Russland und Europa sein. Das ist der Unterschied zwischen mir und den USA, und daher ist es für die USA entscheidend, dass ich nicht in der Ukraine bin."



Im Gegensatz steht Firtasch auch zur Politik der ukrainischen Führung; so fordert er eine andere Politik gegenüber Russland und den prorussischen Rebellen in der Ostukraine:



"Die wichtigste Aufgabe besteht darin, den Krieg zu beenden. Das wird nicht gelingen, wenn wir über die Menschen im Donbass nur als Separatisten sprechen. Und ob es uns gefällt oder nicht, mit Russland müssen wir verhandeln, denn Russland ist unser historischer Nachbar, mit dem wir einen Kompromiss finden müssen."



Firtaschs rasche Rückkehr in die Ukraine ist nicht zu erwarten, denn nun begehrt auch Spanien seine Auslieferung. Der Vorwurf lautet auf Geldwäsche, gemeinsam verübt mit einem Ukrainer syrischer Abstammung, den Spanien ebenfalls ausgeliefert sehen will:



"Ich kenne den Mann, habe aber keine Geschäftsbeziehung mit ihm. In Spanien habe ich überhaupt keine Geschäfte, Das ist die Fortsetzung der amerikanischen Linie. Das ist dieselbe Sache, da gibt es nichts Neues. Das bestätigt nur, dass die USA nicht wollen, dass ich nach Hause komme. Das wird nur gemacht, damit es ein zweites Verfahren gibt, sollte ich gegen die USA vor dem Gericht in Österreich das Auslieferungsverfahren gewinnen."



Interessant ist jedenfalls, dass Enthüllung durch Wikileaks eine enge Zusammenarbeit zwischen den Justizbehörden der USA und Spaniens und gerade dem Staatsanwalt belegen, der das spanische Begehren verfasst hat. Die Vorwürfe der USA, bei einem geplanten Geschäft in Indien, Schmiergeld gezahlt zu haben, weist der Ukrainer ebenfalls zurück:



"Ich weiß nicht, wie lange das noch dauern wird; doch ich habe nichts getan, nichts verbrochen, und solange ich in Österreich bin werde ich meine Wahrheit beweisen."



Beide Verfahren dürften noch bis Jahresende dauern, auch weil zum spanischen Auslieferungsbegehren noch gar keine Verhandlung erster Instanz angesetzt ist.  



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