Kamenskoje und die Evakuierung aus Cherson

Ukraine / Sonstiges / Facebook / 2022-08-03 20:00

Einleitung

Im Krieg in der Ukraine sind auch heute wieder Zivilisten gestorben; dazu sollen nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums drei Ukrainer zählen, die russisch-besetztes Territorium verlassen wollten. Ihr Bus soll von russischer Artillerie beschossen worden sein. Heil überstand haben jedenfalls 100 Zivilisten die Evakuierung aus der Stadt Cherson. Dabei musste sie auch das Dorf Kanemskoje an der Frontlinie passieren, wo unser Korrespondent Christian Wehrschütz zu einem Lokalaugenschein war:

Detail

Im Krieg in der Ukraine sind auch heute wieder Zivilisten gestorben; dazu sollen nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums drei Ukrainer zählen, die russisch-besetztes Territorium verlassen wollten. Ihr Bus soll von russischer Artillerie beschossen worden sein. Heil überstand haben jedenfalls 100 Zivilisten die Evakuierung aus der Stadt Cherson. Dabei musste sie auch das Dorf Kanemskoje an der Frontlinie passieren, wo unser Korrespondent Christian Wehrschütz zu einem Lokalaugenschein war:

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus der Ukraine

Insert1: Volodija, Pastor im Dorf Kamenskoje

Insert2: Nadja, Bewohnerin von Kamenskoje

Insert3: Nadja, Bewohnerin von Kamenskoje

Insert4: Ljdija, Angehörige einer evakuierten Familie

Gesamtlänge: 2’37

Das Dorf Kamenskoje liegt 40 Kilometer von Saporoschije entfernt auf der Straße in die russisch besetzte Stadt Cherson. Die Front verläuft durch das Dorf, auch daher sind die Zerstörungen massiv. Vor dem Krieg lebten 3000 Personen hier, jetzt sind es noch knapp 100. Geblieben ist Volodija, der Pastor einer baptistischen Gemeinde, den wir zufällig treffen. Im schwer beschädigten Gebetshaus verwahrt er humanitäre Hilfe, die er auch verteilt:

2'13'9 - Brot und Hilfe - 2'43'7

"Daraus machen wir ein Süßgebäck; Brot ist hier Mangelware. Unsere Kirche verteilt hier Butter, Konserven, Kaffee. Die bisher letzte Lieferung kam vorige Woche; das meiste haben wir schon verteilt."

Mangelware ist in Kamenskoje auch Treibstoff; die nächste Tankstelle gibt es erst im 40 Kilometer entfernten Saporoschije. Daher schenken wir dem Pastor zehn Liter, damit er mobil bleiben kann.

Weiter unten und noch näher an der Frontlinie lebt eine dieser Familien, ein altes Ehepaar, das seit 40 Jahren verheiratet ist. Überlebt wird nicht zuletzt dank einer kleinen Landwirtschaft:

4'05'5 - Lage - 4'30'7

"Wir hungern nicht, aber bereits fünf Monate haben wir keinen Strom. Trinkwasser bekommen wir als humanitäre Hilfe. Wir wollen auf unserem Stück Land überleben."

Ein Sohn lebt mit seiner Familie im russisch-besetzten Teil des Dorfes:

5'09'0 - Enkel - 5'46‘4

"Wir haben zwei Enkel, es sind Zwillinge. Wir lieben sie sehr. Am Wochenende kamen sie immer zu uns. Sie hätten so gerne, dass wir kommen, aber wir können nicht alles zurücklassen."

Kamenskoje passieren auch jene Ukrainer, denen die Ausreise aus dem weitgehend russisch-besetzten Landkreis von Cherson gelungen ist. Ein Parkplatz in Saporoschije ist die erste Anlaufstelle. Freude und Erleichterung sind groß:

21'4 Lidjia in Saporoschije - 39'4

"Ich habe sie fast ein Jahr nicht gesehen. Im Februar wollte ich sie besuchen, doch dann begann der Krieg, und ich konnte nicht fahren. Doch jetzt sie sie rausgefahren."

Unterwegs waren diese Menschen etwa zwei Tage. Mehrere russische Straßensperren galt es zu passieren, eine zerstörte Brücke zu umfahren und im Kriegsgebiet trotz Beschuss im Bus zu übernachten. Ihr Schicksal ist Teil der traurigen Realität im Europa des 21. Jahrhunderts.