Reportage aus der Stahl Stadt Kriwij Rih

Ukraine / Sonstiges / Facebook / 2022-05-03 22:00

Einleitung

In Mariupol halten ukrainische Soldaten weiterhin in den Ruinen des Stahlwerks Azovstal aus; es war eines von zwei Werken, die dem Oligarchen Rinat Achmetow gehören und Stahl in alle Welt verkauften. Ein zweitens Zentrum des Eisenerz-Abbaus ist die Stadt Kriwij Rih, die Heimatstadt des ukrainischen Präsidenten. Ebenso wie Kiew versuchten die Russen zu Kriegsbeginn

Detail

In Mariupol halten ukrainische Soldaten weiterhin in den Ruinen des Stahlwerks Azovstal aus; es war eines von zwei Werken, die dem Oligarchen Rinat Achmetow gehören und Stahl in alle Welt verkauften. Ein zweitens Zentrum des Eisenerz-Abbaus ist die Stadt Kriwij Rih, die Heimatstadt des ukrainischen Präsidenten. Ebenso wie Kiew versuchten die Russen zu Kriegsbeginn Kriwij Rih handstreichartig zu besetzen; doch der Versuch scheiterte ausgerechnet an der Entschlossenheit der russisch-sprachigen Stadtverwaltung, die nun die Stadt fest zu Verteidigung eingerichtet hat:

Inert1: Alexander Wilkul, Leiter Zivil-Militärischen Administration in Krivij Rih

Inert2: Alexander Wilkul, Leiter Zivil-Militärischen Administration in Krivij Rih

Insert3: Sergej Milutin, stellvertretender Bürgermeister

Insert4: Evgenij Kriwenko Zentrum für E-Dienstleistungen in Kriwij Rih

Insert5: Viktoria, Produktionsleiterin in der Näherei

Gesamtlänge: 3’00

Die Stadt Kriwij Rih zählt 650.000 Einwohner; sie ist das Herzstück der Eisenerzgewinnung der Ukraine. Vor Kriegsbeginn entfielen 10 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung auf diese Stadt; kein Wunder, dass die Russen sie bereits am zweiten Kriegstag handstreichartig nehmen wollten; doch die Landebahnen des Flughafens hatte die Stadt mit Baumaschinen blockiert; daher mussten die russischen Angreifer abdrehen:

10'27'7 - Russisch sprachig – 10’54

"Ein sehr großer Fehler Russlands bestand darin, darauf zu setzen, dass die russisch-sprachige Bevölkerung Russland unterstützen wird. Schauen Sie doch, wie Charkiw und Kriwij Rih kämpfen. Der russisch-sprachige Patriotismus ist um nichts schlechter als der ukrainisch-sprachige.“

Wirtschaftlich bereitet der Krieg massive Probleme:

2'25 - Logistik - für Betriebe - 3'29'3 über EU und europäische Häfen,

"Wegen der russischen Aggression können wird die Schwarzmeer-Häfen nicht nutzen. Daher versuchen wir die Logistik über die EU und europäische Häfen umzuleiten. Ich kann sagen, dass die Betriebe bereits wieder bei etwa 40 Prozent ihrer Kapazitäten arbeiten."

Die Front liegt 50 Kilometer entfernt; für Flüchtlinge gibt es ein Zentrum mit Ersthilfe und Informationen. Etwa 50.000 sind in der Stadt registriert. Die Organisation des Aufnahmezentrums ist durchdacht und übersichtlich:

Sergej Milutin, 46'3 - Organisation - 1'21'4

"Hier arbeiten wir nach dem Prinzip des "einen Fensters", sprich alles wird angeboten. Ankommende können hier psychologische Betreuung und medizinische Hilfe bekommen; hier gibt es auch ein Zimmer für Mutter und Kind. Verteilt werden hier Lebensmittel und Hygieneartikel. Jene Personen, die weiter wollen, werden mit dem Bus zum Bahnhof gebracht, wo ein Zug für die weitere Evakuierung bereitsteht. Die Personen, die in der Stadt bleiben wollen, werden auf Schulen, Kindergärten und Studentenheime aufgeteilt."

Gratis ist seit einem Jahr der öffentliche Verkehr für alle Bewohner von Kriwij Rih; diese Regelung hat die Stadtverwaltung auch auf die Flüchtlinge ausgedehnt; etwa die Hälfte der Bevölkerung nutzt täglich den öffentlichen Verkehr:

Evgenij Kriwenko 5'39'3 - Elektro und Gas - 6'01

"Der öffentliche Verkehr ist auf der Basis von Strom aufgebaut; das gilt für O-Busse und die Tramway; kommunale Busse fahren mit Gas. Daher besteht keine Abhängigkeit von Treibstoffen wie Diesel."

Einige Flüchtlinge arbeiten als Näherinnen in dieser Fabrik; 60 Stück Uniformen werden pro Tag genäht; fast jede dritte Näherin ist selbst ein Flüchtling:

Viktoria 6'22'6 - Näherinnen als Flüchtlinge - 6'49'7

"Sie hatten schon Berufserfahrung, weil sie in ihren Heimatstädten als Näherinnen gearbeitet haben. Hier mussten wir sie nur auf diese Maschinen einschulen; das war nicht schwer."

Vor dem Krieg wurde hier Schutzkleidung für die Industrie erzeugt; eine Rückkehr zur zivilen Produktion ist leider nicht in Sicht.