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Ukraine / Radio / MiJ / 2021-11-16 12:00

Einleitung

Die Ukraine ist nicht gerade ein Land, das für ihre Medienfreiheit bekannt ist. Denn die großen Fernsehsender gehören alle Oligarchen, die damit ihre eigenen Interessen verfolgen. Hinzu kommt eine politische Führung, die bestrebt ist, massiven Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen. Doch seit Anfang November ist der unrühmliche Umgang in der Ukraine mit Medienfreiheit um eine Facette reicher; der Eigentümer der in englischer Sprache erscheinenden

Detail

Die Ukraine ist nicht gerade ein Land, das für ihre Medienfreiheit bekannt ist. Denn die großen Fernsehsender gehören alle Oligarchen, die damit ihre eigenen Interessen verfolgen. Hinzu kommt eine politische Führung, die bestrebt ist, massiven Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen. Doch seit Anfang November ist der unrühmliche Umgang in der Ukraine mit Medienfreiheit um eine Facette reicher; der Eigentümer der in englischer Sprache erscheinenden Wochenzeitung Kyiv Post schloss über Nacht die Zeitung und setzte 50 Journalisten auf die Straße. Über Gründe und Hintergründe dieser Aktion hat unser Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz den folgenden Bericht gestaltet:

Auf ihrer Internet-Seite wirbt die Kyiv Post mit dem Motto „Kyiv Post – die globale Stimme der Ukraine“, seit Anfang November ist diese Stimme verstummt, angeblich nur „kurzfristig“ wie es auf der Webseite heißt. Ob diese Zusicherung hält, ist fraglich, denn der Konflikt zwischen der Redaktion und dem Eigentümer Adnan Kivan ist massiv. Kivan ist ukrainischer Staatsbürger syrischer Abstammung und ein Baulöwe in der Hafenstadt Odessa. Sein Plan, Chefredakteur und Management auszutauschen und der englischen Ausgabe eine ukrainische voranzustellen löste den massiven Widerstand der Redaktion aus. Kivan schloss das Medium und feuerte alle 50 Mitarbeiter. Im internationalen Beirat der Kyiv Post sitzt auch der Österreicher Cornelius Granig, der viele Jahre als Unternehmer in der Ukraine tätig war; er ist der Ansicht, dass Adnan Kivan unterschätzt hat, was mit der Übernahme des Blattes vor zwei Jahren auf ihn zukommt; Cornelius Granig:

1'12'7 - Eigentümer Interventionen - 1'33'3

"Es kam auf ihn zu ... von ihm agiert hat."

Dieses Agieren ist deshalb von großer Bedeutung, weil vor allem die Online-Ausgabe der Zeitung etwa für ausländische Journalisten, die des Ukrainischen nicht mächtig sind, eine wichtige Quelle war, die nun verstummt ist. Cornelius Granig hat keinen konkreten Hinweis, dass der Eigentümer der Kyiv Post auf Druck der politischen Führung gehandelt hat, nur:

74'34'2 - Hintergrund der Schließung - 5'27'6

"Nur muss man ganz grundsätzlich sagen ... das halte ich für sehr wahrscheinlich."

Sollte es nicht doch noch zu einem Kompromiss zwischen Eigentümer und Redaktion kommen, wollen die Journalisten ein neues Medium gründen, um ihrer kritischen Linie treu zu bleiben. Der Eigentümer wiederum sieht zwei Möglichkeiten, den Verkauf der Kyiv Post oder den Einsatz einer völlig neuen Mannschaft, die die Zeitung wieder herausgeben soll.