Die Lage der Grenzgänger in der Ostukraine

Ukraine / Fernsehen / ZiB2 / 2021-08-22 22:00

Einleitung

Die unabhängige Ukraine wird am Dienstag 30 Jahre alt. Am 24. August 1991 verabschiedete das Parlament in Kiew die Loslösung von der Sowjetunion, die bei einem Referendum am 1. Dezember dann vom Volk bestätigt wurde. Die Bilanz des Landes ist bestenfalls gemischt, auf jeden Fall aber überschattet durch die Annexion der Krim und den Krieg in der Ostukraine. Um die Krim wieder ins internationale Bewusstsein zu bringen, veranstaltet Kiew morgen eine internationale Konferenz an der Spitzenpolitiker aus 40 Ländern teilnehmen. Dazu zählt

Detail

Die unabhängige Ukraine wird am Dienstag 30 Jahre alt. Am 24. August 1991 verabschiedete das Parlament in Kiew die Loslösung von der Sowjetunion, die bei einem Referendum am 1. Dezember dann vom Volk bestätigt wurde. Die Bilanz des Landes ist bestenfalls gemischt, auf jeden Fall aber überschattet durch die Annexion der Krim und den Krieg in der Ostukraine. Um die Krim wieder ins internationale Bewusstsein zu bringen, veranstaltet Kiew morgen eine internationale Konferenz an der Spitzenpolitiker aus 40 Ländern teilnehmen. Dazu zählt auch Angela Merkel, die davor mit Vladimir Putin in Moskau auch über den Krieg in der Ostukraine gesprochen hat. Ein Ende ist nicht in Sicht, auch, weil die Ukraine den Friedensplan von Minsk nicht umsetzen will. Immer stärker wird die Integration der Gebiete von Donezk und Lugansk in Russland, und immer stärker auch die Isolation der Bevölkerung in den prorussisch-kontrollierten Gebieten:

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus der Ostukraine

Insert1: Svetlana, Bewohnerin der Stadt Lugansk

Insert2: Volodimir, Fahrer aus der Ostukraine

Gesamtlänge: 2’40

Der Übergang bei Stanica Luganska, 20 Kilometer von Lugansk entfernt, ist der einzige Kontrollposten, den Bewohner der russisch kontrollierten Gebiete nutzen können, um auf ukrainisch-kontrolliertes Territorium zu gelangen; doch auch hier gibt es Einschränkungen durch die prorussische Führung. Erstens darf eine Person nur ein Mal pro Monat passieren; zweitens dürfen nur Bewohner von Lugansk den Übergang nutzen, nicht aber Bewohner von Donezk.

Stanica Luganska Svetlana 0'52 - 1'04'7 - Leichter - Autoübergänge - 1'26'5

"Gut wäre es, wenn sie Kontrollposten öffneten, die man mit dem Auto passieren kann. Das wäre auch näher; jetzt gibt es nur einen Übergang, das ist wenig für diese Menge an Leuten. Wenn sie Schastije öffnen würden, wo man auch mit dem Autobus fahren kann, das wäre ausgezeichnet für uns."

Diese Übergänge bei Schastije und Zolote sind betriebsbereit; doch die prorussischen Machthaber finden immer wieder Ausflüchte, um ihre Öffnung nicht zuzulassen. Daher herrscht an beiden gähnende Leere. Nur zwei Mal pro Woche arbeitet Novotrojzkoje, der Hauptübergang in die prorussische Rebellenhochburg Donezk. Für das Passieren bedarf es einer speziellen Genehmigung aus Donezk. Am Montag der Vorwoche waren es insgesamt 700 Personen, die den Übergang nutzen konnten; vor Corona waren es mehr als 10000 pro Tag.

Der offizielle ukrainisch-russische Grenzübergang Milivoje ist der einzig praktikable Weg für die Bewohner von Donezk; doch das bedeutet eine Fahrt von mehr als 1000 Kilometern und mehr als 24 Stunden. Diese Mühen nehmen Ukrainer aber auf sich, um Tochter und Enkel besuchen zu können:

0'42'4 - Besuchsgrund - 44'7

"Dort leben meine Tochter und meine zwei Enkel."

Der Andrang ist aber auch wegen der vielen Rentner so groß, die auf ukrainischer Seite ihre Pension abheben müssen, erläutert der Fahrer Mykola, der sein Gesicht nicht zeigen will:

Volodimir 2'34'8 - Pensionist und Grenzschließung - 3'29'7

"Im März 2020 wurden die Kontrollposten geschlossen; viele Menschen fahren jetzt zum ersten Mal auf die andere Seite. Selbst bei einer Mindestpension von 80 Euro im Monat macht das 1,200 Euro aus, daher die Fahrten. Generell zahlt es sich bei Mindestpensionen nicht aus einmal in drei Monaten zu fahren, weil allein die Reisekosten teurer sind."

Die Straße nach Milivoe hat Kiew instand gesetzt; doch seine Bereitschaft, die Friedensvereinbarung von Minsk umzusetzen, ist ebenso gering wie bei allen anderen Konfliktparteien. Den Preis dafür bezahlt die Zivilbevölkerung der Ostukraine.