COVID und die Lage in der Ukraine

Ukraine / Radio / MiJ / 2020-12-14 12:00

Einleitung

Auch die Ukraine hat die Corona-Pandemie fest im Griff. Seit Beginn erkranken mehr als 800.000 Personen, die Hälfte wurde geheilt. Doch die Neuinfektionen erreichten sogar weit mehr als 10.000 Personen, und das in einem Land mit weniger als 40 Millionen Einwohnern. Für Jänner plant Kiew nun einen zweiten scharfen Lockdown; er soll nach dem orthodoxen

Detail

Auch die Ukraine hat die Corona-Pandemie fest im Griff. Seit Beginn erkranken mehr als 800.000 Personen, die Hälfte wurde geheilt. Doch die Neuinfektionen erreichten sogar weit mehr als 10.000 Personen, und das in einem Land mit weniger als 40 Millionen Einwohnern. Für Jänner plant Kiew nun einen zweiten scharfen Lockdown; er soll nach dem orthodoxen Weihnachtsfest am 8. Jänner beginnen und drei Wochen dauern. Drastisch waren bereits die sozialen und wirtschaftlichen Folgen des ersten Lock down im Frühling. Darüber hat das UNDP, die Entwicklungsorganisation der UNO, eine Studie verfasst, die jüngst in Kiew publiziert wurde. Aus Kiew berichtet unser Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz:

In der Ukraine ist die Dunkelziffer bei den Corona-Infektionen nach wie vor sehr hoch. Denn in manchen Regionen werden überhaupt nur Personen getestet, die bereits klare Symptome aufweisen. Auffallend ist die hohe Zahl beim Krankenhauspersonal. Ende November, jüngere Zahlen wurden nicht veröffentlicht, waren mehr als 26.000 Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger infiziert, fast 260 starben an dem Virus, das entspricht fast zwei Prozent aller Todesfälle. Dazu sagt in Kiew der Immunologe Fedir Lapij:

111‘34 - Ärzte - 13'35'5

„Das Krankenhaupersonal wird regelmäßig getestet im Unterschied zu anderen Bevölkerungsgruppen. Außerdem wurden in der Ukraine die Krankenhäuser in jene geteilt, die COVID-Patienten behandeln und in jene, die das nicht tun. Gerade in diese zweite Gruppe ist vor allem das Personal infiziert worden. Seine Wachsamkeit war geringer im Vergleich zu dem Personal, das Infizierte behandelt. Dort ist die Zahl der Erkrankten weit geringer. Hinzu kommt, dass eine Untersuchung zeigt, dass das Personal nicht immer die Schutzregeln beachtet hat, wenn es nicht im Dienst war. Es infizierte sich jedenfalls mehrheitlich nicht am Arbeitsplatz."

Wahre Horrorgeschichten hört man über die Lage in den Krankenhäusern. So sind Fälle bekannt, wo Patienten abgewiesen wurden und die Angehörigen selbst Sauerstoff und Medikamente kauften, um ihre Verwandten zu behandeln. Sauerstoff werde nun beschafft, doch die Probleme seien weiter groß, erläutert Fedir Lapij:

16'53'6 - Lage in Krankenhäusern - 18'36

"Vor einem Monat konnte man noch von einer Katastrophe sprechen; damals waren viele Krankenhäuser überfüllt und der Mangel an Sauerstoff war groß. Ich kann nicht sagen, dass die Lage jetzt viel besser geworden ist, doch sie hat sich etwas gebessert. Außerdem unterscheidet sich die Lage von Region zu Region. Ein großes Defizit besteht in der Hafenstadt Odessa, wo der Mangel an Sauerstoff sehr groß ist. Hinzu kommt der Mangel dort an Ärzten auf Intensivstationen.“

Was die Altersstruktur der Infizierten betrifft so dominieren die 50 bis 69 Jährigen mit 38 Prozent; doch nur einen Prozentpunkt dahinter liegen die 30 bis 49-jährigen. Das habe auch mit der demographischen Lage der Ukraine zu tun, sagt der Immunologe:

4'35 - Altersstruktur - 7'27

"In der Ukraine ist die Lebenserwartung geringer als in der EU, daher gibt es weniger alte Menschen im Vergleich zu anderen Altersgruppen. Hinzu kommt die negative demographische Entwicklung; noch vor 15 Jahren gab es 500.000 Neugeborene pro Jahr, heuer werden es 300.000 sein. Somit ist es kein Wunder, dass die Altersgruppe von 35 bis 50 Jahren die zahlreichste Gruppe ist. Sie hat auch die meisten sozialen Kontakte."

Etwas besser geworden sei nun die Disziplin der Bevölkerung, betont der Immunologe; daher habe sich die Zahl der Neuinfektionen etwas stabilisiert. Ob diese Disziplin über die Weihnachtsfeiertage anhält wird sich zeigen. Vorsorglich hat die Regierung bereits einen scharfen Lock down angekündigt, der von 8. bis 21. Jänner dauern soll.