Digitaler Kampf gegen das Virus

Ukraine / Radio / FJ7 / 2020-08-01 07:00

Einleitung

Wie kontrolliert man, ob Personen, die wegen des Corona-Virus in Heimquarantäne müssen, diese Selbstisolation auch tatsächlich 14 Tage lang befolgen? Österreich oder Slowenien setzen dabei etwa auf Kontrollen durch Gesundheitsbehörden oder die Polizei. Einen anderen, einfacheren und effizienteren Weg hat die Ukraine gewählt; so hat in Kiew das Ministerium für Digitalisierung eine APP entwickelt, die man auf sein Mobiltelefon herunterladen muss; diese APP kontrolliert, ob sich eine Person tatsächlich an die Heimquarantäne hält; wenn nicht kommt die Polizei, und eine Geldstrafe ist zu bezahlen. Aus Kiew berichtet unser Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz:

Detail

Wie kontrolliert man, ob Personen, die wegen des Corona-Virus in Heimquarantäne müssen, diese Selbstisolation auch tatsächlich 14 Tage lang befolgen? Österreich oder Slowenien setzen dabei etwa auf Kontrollen durch Gesundheitsbehörden oder die Polizei. Einen anderen, einfacheren und effizienteren Weg hat die Ukraine gewählt; so hat in Kiew das Ministerium für Digitalisierung eine APP entwickelt, die man auf sein Mobiltelefon herunterladen muss; diese APP kontrolliert, ob sich eine Person tatsächlich an die Heimquarantäne hält; wenn nicht kommt die Polizei, und eine Geldstrafe ist zu bezahlen. Aus Kiew berichtet unser Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz:

Bei der Einreise etwa am Flughafen von Kiew hat der Rückkehrer eine APP herunterzuladen, die binnen 24 Stunden aktiviert werden muss. Zu Hause muss man sich vor einen markanten Hintergrund – etwa ein Bild - stellen, eine Foto machen und an die App schicken. Während der 14 Tage dauernden Quarantäne meldet sich die App nach dem Zufallsprinzip drei Mal pro Tag bei der Person; sie hat sich dann vor demselben Hintergrund aufzustellen. Die App macht dann Fotos. Der Zeitrahmen dafür beträgt 15 Minuten. Entwickelt hat die APP das Ministerium für Digitalisierung in Kiew, das der 29-jährige Michailo Fedorow leitet:

3'37 - Warum und wie APP – 5’20 - 5'58

"In der Ukraine ließen sich gewisse Maßnahmen nicht umsetzen, die in China möglich sind. So haben wir einen Kompromiss gefunden, der es dem Staat erlaubt den Aufenthalt zu kontrollieren und zu erfassen, wie viele Personen in Selbstquarantäne sind. Diese App haben wir binnen vier Tagen entwickelt, wobei wir auch die Erfahrungen aus Polen und Singapur genutzt haben. Dabei haben wir die modernste Technologie genutzt, was etwa die Gesichtserkennung betrifft. Dies APP konnten wir deshalb so schnell entwickeln, weil wir davor eine eigene staatliche IT-Firma gegründet haben, die unsere Produkte zu entwickeln hat, die wir in Umlauf bringen.“

Fedorow leitete den digitalen Wahlkampf von Präsident Volodimir Selenskij; beide wollen die Digitalisierung der Ukraine massiv vorantreiben. Fedorows Stolz ist ein APP mit dem Namen „Aktion“:

12'25 - Elektronische Dokumente – 13’47

"Binnen fünf Monaten nutzen bereits fünf Millionen Bürger diese APP. Darin enthalten sind etwa ein elektronischer Führerschein oder ein elektronischer Pass. Damit kann man sich überall ausweisen und auch Geld beheben oder überweisen. Mit einem Quellcode kann ich durch eine Abfrage im Register überprüfen, ob der Pass echt ist. Diese Möglichkeit nutzen Firmen, etwa Hotels an der Rezeption, die mit dem Telefon ihre Daten überprüfen können."

Ziel ist es, dass man mit zwei, drei Klicks jede beliebige staatliche Dienstleistung abrufen kann. Dazu muss auch die gesamte Internet-Infrastruktur besser werden, doch in diesem Fall stimmt in der Ukraine die Richtung und der Wille zur Umsetzung ist da, auch weil der IT-Sektor zu den positiven Wirtschaftsfaktoren des Landes zählt.