Ein Jahr Präsident Selenskij

Ukraine / Radio / J18 / 2020-05-20 18:00

Einleitung

Auch die Ukraine ist von der Corona-Krise wirtschaftlich stark getroffen. Kiew hofft, dass das Land noch im Mai Verhandlungen über Finanzhilfe mit dem Internationalen Währungsfonds abschließen kann. Das sagte Präsident Volodimir Selenskij heute bei einer mehrstündigen Pressekonferenz; Anlass

Detail

Auch die Ukraine ist von der Corona-Krise wirtschaftlich stark getroffen. Kiew hofft, dass das Land noch im Mai Verhandlungen über Finanzhilfe mit dem Internationalen Währungsfonds abschließen kann. Das sagte Präsident Volodimir Selenskij heute bei einer mehrstündigen Pressekonferenz; Anlass dafür war der Jahrestag seiner Amtseinführung am 20. Mai 2019. Der frühere politische Kabarettist Selenskij hat die Präsidentenwahl gegen Amtsinhaber Petro Poroschenko mit 75 Prozent der abgegebenen Stimmen gewonnen. Es berichtet unser Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz

Die Pressekonferenz in Kiew stand auch im Zeichen der Corona-Quarantäne. Das Treffen mit den Journalisten fand im Park eines Regierungsgebäudes statt. Präsident Selenskij hielt Abstand, trug aber keine Maske, die auch nur bei wenigen Journalisten zu sehen war. Selenski sagte, dass es schrittweise zu einer Normalisierung des Lebens kommen werde; Kindergärten sollen in fünf Tagen wieder geöffnet werden, doch noch bleibe der Verkehr zwischen einzelnen Landkreisen eingeschränkt. Corona-bedingt finden derzeit auch die Friedensgespräche für die Ostukraine in Minsk über Video statt; Selenskij sagte, ein Treffen mit Russland, Deutschland, Frankreich und der Ukraine solle so rasch wie möglich stattfinden; außerdem bekenne er sich zu direkten Gesprächen mit Vladimir Putin, betonte Volodimir Selenskij:

"Wir vernachlässigen nicht die Frage der Rückkehr unserer Territorien und der annektierten Halbinsel Krim, obwohl das unter diesen Bedingungen schwierig ist. Deutschland und Frankreich unterstützen den Plan, dass sofort nach der Corona-Epidemie ein Treffen im Normandie-format stattfinden soll. Ich bin mir bewusst, dass die Gesellschaft direkte Gespräche von mir mit Präsident Putin unterschiedlich bewertet; doch ich bin überzeugt, dass man das tun muss, denn gewisse Dinge versteht man nur unter vier Augen."

Selenskij betonte, dass mit Russland weiter über einen Austausch von politischen Gefangenen verhandelt werde. Insgesamt gab es in seiner Amtszeit drei Mal einen Austausch, einmal mit Russland, zwei Mal mit den Separatisten in der Ostukraine.