Niederlande Beginn Prozess Abschuss der Mh17

Ukraine / Radio / FJ7 / 2020-03-07 07:00

Einleitung

In den Niederlanden beginnt am Montag der Prozess zum Abschuss der malaysischen Passagiermaschine über der Ostukraine. Der Abschuss der Mh-17 erfolgte am 17. Juli 2014; alle 298 Insassen, darunter 80 Kinder, kamen ums Leben. Der Krieg in der Ostukraine erschwerte auch die Bergung der Toten und Trümmer. Eine Untersuchungskommission der Niederlande macht Russland für den Abschuss verantwortlich. Russland habe den Rebellen das Raketensystem BuK geliefert, das die Passagiermaschine abgeschossen habe. Moskau hat diese

Detail

In den Niederlanden beginnt am Montag der Prozess zum Abschuss der malaysischen Passagiermaschine über der Ostukraine. Der Abschuss der Mh-17 erfolgte am 17. Juli 2014; alle 298 Insassen, darunter 80 Kinder, kamen ums Leben. Der Krieg in der Ostukraine erschwerte auch die Bergung der Toten und Trümmer. Eine Untersuchungskommission der Niederlande macht Russland für den Abschuss verantwortlich. Russland habe den Rebellen das Raketensystem BuK geliefert, das die Passagiermaschine abgeschossen habe. Moskau hat diese Vorwürfe stets zurückgewiesen, aber keine plausible Erklärung präsentiert. Beim Prozess in Amsterdam angeklagt sind drei Russen und ein Ukrainer; sie sollen beim Transport der Rakete eine wichtige Rolle gespielt haben; die Angeklagten sind nicht anwesend, daher wird in Abwesenheit verhandelt. Unser Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz war nicht nur sofort nach dem Abschuss an der Abstuirzstelle, sondern er hat in Finnland ein Buk-System besichtigt, und den folgenden Bericht über den Abschuss der Mh-17 gestaltet:

Fakten und Indizien sprechen klar dafür, dass Russland das Raketensystem vom Typ Buk geliefert hat, mit dem die Maschine abgeschossen wurde. Die Mh-17 flog in einer Höhe von etwas mehr als 10.000 Metern; die von der Ukraine im Krieg eingesetzte Suchoj-25 kann zwar kurz auf diese Höhe steigen, dort aber nach Angaben des russischen Konstrukteurs nicht schießen, ohne selbst abzustürzen. Die Rebellen hatten nur Luftabwehrraketen mit einer maximalen Einsatzschusshöhe von 6,5 Kilometern. Bleibt somit nur eine russische Buk-Rakete über; zu diesem Schluss kommen auch die niederländischen Ermittler; sie führten auch Tests in Finnland durch, wo die Buk in den Streitkräften bis 2015 im Dienst stand. Das einzige Buk-System, das Zivilisten zugänglich ist, steht im Luftabwehr-Museum bei Helsinki. Die Abschussvorrichtung funktioniert auch ohne das Zielerfassungsradar, das in einem eigenen Fahrzeug untergebracht ist. Doch in diesem Fall, der in der Ostukraine zum Tragen kam, liefert das Radar nur sehr beschränkte Daten, betont der Direktor des Museums, Esa Kelloniemi, der selbst Kommandant der Buk—Brigade der finnischen Streitkräfte war:

"Man sieht nur jene Informationen, die das Ziel reflektiert. Das heißt; ist es ein großes oder kleines Ziel, und angezeigt werden auch die Flughöhe und die Entfernung des Ziels zu diesem Fahrzeug."

Das heißt, ein Abschuss gleicht einem Russischen Roulett? Esa Kelloniemi:

"Er schießt auf etwas, und sieht danach, was es war. Mit diesem System, weiß man nicht auf was man schießt, weil man nicht weiß, ist das ein Freund oder Feind. Man übernimmt viel Risiko, wenn man in einer derartigen Lage schießt, wenn es derartige Fehlermöglichkeiten gibt."

Die Ausbildung an einem Buk-System dauert ein Jahr; auch das spricht dagegen, daß die Rebellen den Abschuss selbst durchführen konnten. Läßt sich berechnen, von wo eine Rakete abgefeuert wurde? Ja sagt Esa Kelloniemi

 

"Kennt man Geschwindigkeit und Flughöhe des Ziels sowie die Einsatzreichweite der Rakete, kann man einen Kreis ziehen und berechnen, wo das System beim Abfeuern gewesen sein muss. Der Durchmesser ist etwa 25 Kilometer."

Somit bestehen kaum Zweifel, dass die Rakete auf dem Rebellengebiet gestanden hat. Zurückzuführen sein dürfte der Abschuss auf einen Fehler der Bedienungsmannschaft, denn Vorsatz ist wohl auszuschließen. Ob der Soldat, der der die Rakete am 17. Juli 2014 abgefeuert hat, und seine Vorgesetzten je in den Niederlanden vor Gericht stehen werden, ist zu bezweifeln.