Zolotoe das geteilte Dorf an der Frontlinie

Ukraine / Fernsehen / ZiB Nacht / 2019-12-06 23:00

Einleitung

Nach mehr als drei Jahren findet am Montag in Paris wieder ein Gipfeltreffen zur Ukraine statt. Daran teilnehmen werden die Staats- und Regierungschefs der Ukraine, Russlands, Frankreichs und Deutschlands. Möglich wurde das Treffen nicht zuletzt durch den Machtwechsel in Kiew. Während der frühere Präsident Petro Poroschenko ganz auf die nationalistische Karte setzte, unternimmt sein Nachfolger, Volodimir Selenskij, einen neuen Anlauf für eine Friedenslösung. Dazu zählen der Wiederaufbau der Fußgängerbrücke bei Stanica Luganska, dem einzigen Übergang von der prorussischen Rebellenhochburg Lugansk auf

Detail

Nach mehr als drei Jahren findet am Montag in Paris wieder ein Gipfeltreffen zur Ukraine statt. Daran teilnehmen werden die Staats- und Regierungschefs der Ukraine, Russlands, Frankreichs und Deutschlands. Möglich wurde das Treffen nicht zuletzt durch den Machtwechsel in Kiew. Während der frühere Präsident Petro Poroschenko ganz auf die nationalistische Karte setzte, unternimmt sein Nachfolger, Volodimir Selenskij, einen neuen Anlauf für eine Friedenslösung. Dazu zählen der Wiederaufbau der Fußgängerbrücke bei Stanica Luganska, dem einzigen Übergang von der prorussischen Rebellenhochburg Lugansk auf Ukrainisch kontrolliertes Territorium. Hinzu kommt die Truppenentflechtung an drei Frontabschnitten; dazu zählt der Ort Zolotoe, den die Frontlinie teilt. Zolotoe-5 liegt auf prorussischem Rebellengebiet, die vier übrigen Ortsteile auf Ukrainisch kontrollierten Gebiet. Beide Ortsteile hat unser Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz besucht:

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus der Ostukraine

Insert1: Marina Tkatschenko, Schuldirektorin, Zolote-5

Insert2: Alexej Babtschenko, Leiter der militärisch-zivilen Verwaltung in Zolote-4

Gesamtlänge: 2’13

 

Der Ort Zolotoe-5 liegt 90 Kilometer von Lugansk entfernt fast unmittelbar an der Frontlinie. Im Zentrum sieht man kaum Menschen, Spuren des Krieges sind deutlich sichtbar. Das gilt auch für die Schule wie die vielen erneuerten Fenster zeigen. Wasser wird zweimal pro Woche angeliefert. 14 Lehrer unterrichten hier 85 Kinder; doch die 10. und 11. Klasse zählen nur mehr jeweils vier Schüler. Die Landflucht hat der Krieg massiv verstärkt, positiv ist, dass seit der Truppenentflechtung die Waffen weitgehend schweigen:

„Wir leben ruhiger und unterrichten ruhiger. Wir kommen wieder etwas zu uns. Wir waren schon an der Grenze, das alles zu ertragen; die Angst um die Kinder, um unsere Verwandten war enorm, das war eine enorme psychische Belastung.“

Die Frontlinie verläuft durch den Ort. Die übrigen vier Ortsteile liegen auf ukrainisch-kontrolliertem Gebiet.

Karte:

Vor dem Krieg dauerte die Fahrt hinüber 20 Minuten. Nun dauert die Umfahrung 18 Stunden, statt fünf Kilometern sind 300 Kilometer zu fahren und der Kontrollposten bei Stanica Luganska zu passieren.

Denn bei Zolotoe hat bisher nur die Ukraine einen Kontrollposten errichtet. Er fehlt auf prorussischer Seite, daher passieren hier nur Zivilisten, die in unmittelbarer Nähe leben. Kohle ist die wirtschaftliche Basis auf beiden Seiten; doch es fehlen Investitionen, und der Krieg tut sein Übriges:

„Geschlossene Kohlengrube auf dem besetzten Gebiet laufen mit Wasser voll; dieses Wasser fließt hierher in die Grube Zolotoe. Dieses Wasser muss ständig abgepumpt werden, damit nicht alle Gruben ruiniert werden.“

Auch die Schule in Zolotoe-4 zeigt die Folgen von Krise und Krieg. Binnen fünf Jahren sank die Schülerzahl von mehr als 60 auf 34 Kinder. Psychologen betreuen traumatisierte Kinder; eine Zukunft haben beide Ortsteile ohne Frieden kaum, doch ein Ende des Alptraums für die Zivilbevölkerung ist derzeit nicht in Sicht.