Volkszählungen in Donezk und Lugansk

Ukraine / Radio / MiJ / 2019-10-02 12:00

Einleitung

In der Ukraine hat die bisher letzte Volkszählung im Jahre 2001, also vor fast 20 Jahren stattgefunden. Die russische Annexion der Halbinsel Krim, der Krieg in der Ostukraine, die Flüchtlingsströme und nicht zuletzt die massive Arbeitsmigration etwa nach Polen. Während es in der Ukraine noch keine Hinweise auf eine Volkszählung gibt, wird sie in den prorussischen Rebellen-Gebieten von Donezk und Lugansk in den ersten beiden Oktober-Wochen durchgeführt. Diese Gebiete sind in etwa so groß wie Slowenien und die

Detail

In der Ukraine hat die bisher letzte Volkszählung im Jahre 2001, also vor fast 20 Jahren stattgefunden. Die russische Annexion der Halbinsel Krim, der Krieg in der Ostukraine, die Flüchtlingsströme und nicht zuletzt die massive Arbeitsmigration etwa nach Polen. Während es in der Ukraine noch keine Hinweise auf eine Volkszählung gibt, wird sie in den prorussischen Rebellen-Gebieten von Donezk und Lugansk in den ersten beiden Oktober-Wochen durchgeführt. Diese Gebiete sind in etwa so groß wie Slowenien und die Bevölkerung wird auf insgesamt vier Millionen Einwohner geschätzt. Aus Donezk berichtet unser Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz:

Was in der Ukraine im Ganzen und Großen für eine Volkszählung spricht, gilt für die prorussischen Rebellen-Gebiete im Kleinen: fast 20 Jahre keine Zählung, Flüchtlingsströme, Arbeitsmigration vor allem nach Russland, und massive Binnenmigration haben die Bevölkerungsstruktur stark verändert. Durchgeführt wird in Donezk die Volkszählung vom Statistischen Zentralamt mit technischer Unterstützung aus Russland. Im Einsatz sind 8000 Freiwillige auf dem Territorium der sogenannten Volksrepublik von Donezk, die auch Russland völkerrechtlich nicht anerkannt hat. 7.000 Freiwillige umfassen allein die Zähler, die für Ausbildung und Einsatz, für etwa einen Monat, pro Person knapp umgerechnet 150 Euro bekommen haben. Die Auswahlkriterien beschreibt in Donezk die Leiterin der Statistikbehörde, Galina Skobzewa, so:

"Wir nehmen Personen ab dem 18. Lebensjahr, die körperlich fit sind, und für die es keine gesetzlichen Ausschließungsgründe gibt. Das können Pensionisten, Studenten, Briefträger, Lehrer oder Ärzte sein. Die Hauptbedingung ist, dass diese Personen ein Training und bestimmte Tests absolviert haben. Wichtig ist weiter, dass sie sich verpflichten, die erhobenen Daten vertraulich zu behandeln."

Für den Transport zu und in den einzelnen Sprengeln muss jeder Zähler selbst aufkommen und sorgen. Doch Autos sind knapp, Treibstoff gemessen am Lohn teuer und der öffentliche Nahverkehr funktioniert auch nur mit großen Einschränkungen. Zur Einteilung der Sprengel sagt Galina Skobzewa:

"Der Aufwand war groß, die Sprengel für die Zähler einzuteilen. Sie bekommen ein Stück Karte unserer Donezker Volksrepublik mit bestimmten Normen, die etwa festlegen, wie viele Interviews ein Zähler durchzuführen hat. Diese Karte kann auch nur einige große Häuser umfassen. Das sind lokale Gebiete, die der Zähler binnen zwei Wochen abzuarbeiten hat."

In den frontnahen Gebieten, die immer wieder von ukrainischer Seite beschossen werden, führen Angehörige der prorussischen Milizen die Zählungen durch. Und wann wird das Ergebnis der Volkszählung vorliegen? Dazu sagt Galina Skobzewa:

"Die ersten Ergebnisse bekommen wir im zweiten Quartal des kommenden Jahres, weil der Prozess der Auswertung natürlich sehr kompliziert und schwierig ist, weil viele Fragebögen richtig ausgewertet werden müssen. Daher geht man von diesem Zeitpunkt aus."

Die Ergebnisse sollen veröffentlicht werden. Bleibt es dabei, werden sie dann nach fast sechs Jahren Krieg zum ersten Mal ein einigermaßen klares Bild über die Bevölkerungsstruktur in diesen Gebieten der Ostukraine liefern.