Gefangenenaustausch Russland und Ukraine

Ukraine / Radio / MiJ / 2019-09-07 12:00

Einleitung

Zwischen Russland und der Ukraine hat heute ein Austausch von Gefangenen stattgefunden. Ausgetauscht wurden jeweils mehr als 30 Personen. Es ist der erste größere direkte Austausch zwischen Moskau und Kiew seit Beginn des Krieges in der Ostukraine vor mehr als fünf Jahren. Im Dezember 2017 haben die Ukraine und die prorussischen Rebellen in Donezk und Lugansk 74 ukrainische Gefangene und 233 Gefangene ausgetauscht

Detail

Zwischen Russland und der Ukraine hat heute ein Austausch von Gefangenen stattgefunden. Ausgetauscht wurden jeweils mehr als 30 Personen. Es ist der erste größere direkte Austausch zwischen Moskau und Kiew seit Beginn des Krieges in der Ostukraine vor mehr als fünf Jahren. Im Dezember 2017 haben die Ukraine und die prorussischen Rebellen in Donezk und Lugansk 74 ukrainische Gefangene und 233 Gefangene ausgetauscht, die von ukrainischer Seite festgehalten wurde. Seit damals wurde weitere Gefangene auf beiden Seiten gemacht, darunter auch 24 ukrainische Matrosen, die Russland bei einem Zwischenfall vor der annektierten Halbinsel Krim gefangen nahm. Aus Kiew berichtet unser Korrespondent Christian Wehrschütz

Der Austausch der jeweils mehr als 30 Gefangenen erfolgte durch Sondermaschinen die von Kiew nach Moskau und von Moskau nach Kiew flogen. Der Austausch ist noch im Gange; daher ist noch nicht völlig klar, wer alles freigelassen wurde. Die Ukraine soll 37 Gefangenen ausgetauscht haben, darunter 12 Russen und 25 ukrainische Staatsbürger, die auf Seiten der Rebellen standen. Russland soll 35 Personen überstellt haben, darunter den Filmemacher Oleg Senzow und die 24 Matrosen, die im November bei einem Zwischenfall vor der annektierten Halbinsel Krim von Russland gefangen genommen wurden. Zwar gibt es weiterhin Gefangene auf beiden Seiten und in den prorussischen Gebieten der Ostukraine, doch nun wurde ein Zeichen gesetzt. Der russische Präsident Vladimir Putin bezeichnete den Austausch bereits vor einigen Tagen als einen großen Schritt hin zur Normalisierung der Beziehungen. Positiv beurteilt die Chancen dazu in Kiew auch der Politologe Vasil Filiptschuk:

"Die Atmosphäre und das politische Klima sind jetzt positiver und besser als früher. Dazu zählt, dass jetzt durch Kiew nicht mehr jene vermummten Ultranationalisten marschieren, die noch vor zwei, drei Jahren jeden Versuch bedroht haben, eine friedliche Regelung des Konflikts zu erreichen. Ihre Finanziers haben bei den Wahlen verloren. Für die überwiegende Mehrheit der Ukrainer hat eine Friedenslösung Priorität. Dass Präsident Volodimir Selenskij zu einem direkten Dialog mit Moskau bereit ist, ist sehr gut. Doch entscheidend ist, dass diese Verhandlungen sehr genau vorbereitet werden und der Friedensplan des Präsidenten transparent ist. Die Ukrainer müssen entscheiden können, welche Möglichkeit es für eine Konfliktlösung mit den Russen gibt."

Nach wie vor herrscht in der Ostukraine Krieg und die Verhandlungen in Minsk haben noch keine Lösung gebracht. Nun besteht eine neue Chance auf Frieden; ob sie genutzt wird, werden die kommenden Monate zeigen.