Die kulturelle Bedeutung der Westukraine

Ukraine / Fernsehen / Mittag in Österreich / 2019-08-08 13:00

Einleitung

Die Bukowina und Galizien, die heutige Westukraine, war in der Zeit der K. und K.-Monarchie ein geistiges Zentrum, aus dem viele Gelehrte und Schriftsteller stammten. Dazu zählen die Eltern des Vaters der Bundesverfassung, Hans Kelsen, aber auch der Schriftsteller und Journalist Joseph Roth, der vor 125 Jahren in der Stadt Brodi geboren wurde. Mehr als 20 Jahre lebte und wirkte auch

Detail

Die Bukowina und Galizien, die heutige Westukraine, war in der Zeit der K. und K.-Monarchie ein geistiges Zentrum, aus dem viele Gelehrte und Schriftsteller stammten. Dazu zählen die Eltern des Vaters der Bundesverfassung, Hans Kelsen, aber auch der Schriftsteller und Journalist Joseph Roth, der vor 125 Jahren in der Stadt Brodi geboren wurde. Mehr als 20 Jahre lebte und wirkte auch der Sohn von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz-Xaver in Lemberg. Daher gibt es in Lemberg seit drei Jahren ein MozArt-Festival. Österreich ist bemüht, diese Erinnerung an die gemeinsame Geschichte zu nutzen, um auch die Schriftsteller von damals wieder stärker in der Ukraine bekannt zu machen.

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus der Ukraine

Insert1: Univ.Prof. Alois Woldan, Institut für Slawistik in Wien

Insert2: Andreas Wenninger, österreichischer Bildungsattaché in der Ukraine

Insert3: Oksana Lyniv, Dirigentin und Gründerin des MozArt-Festivals in Lemberg

Gesamtlänge: 2’40

Die Kleinstadt Brodi liegt einhundert Kilometer östlich von Lemberg. Zwei Weltkriege, der Holocaust und 45 Jahre Sowjetunion haben die Stadt völlig verändert. An Joseph Roth erinnerte bislang nur eine Gedenktafel an dem Gymnasium, das der Schriftsteller besuchte. Aus Anlass seines Geburtstages vor 125 Jahren, wurde nun in Brodi auch eine Büste des Schriftstellers enthüllt. Brodi zählt zum Kreis Lemberg; in dessen gleichnamiger Landeshauptstadt finanziert das österreichische Kooperationsbüro die Herausgabe der Werke von Joseph Roth und anderer Autoren der Monarchie in ukrainischer Übersetzung. Das Interesse an dieser versunkenen Welt ist da:

"Das Interesse ist groß; wenn das Buch da ist, genügt geringe Vorstellung, etwa eine Buchmesse, und das Buch wird gekauft, das ist das Bedürfnis der Menschen groß, an dieser Art der Wiederentdeckung des eigenen Gebietes."

Durch Deutsch-Kurse und Studentenprogramme in Österreich versucht das Kooperationsbüro auch das Interesse an der deutschen Sprache zu fördern, die gegen die Dominanz des Englischen auch in der Ukraine keinen leichten Stand hat:

"Wir haben hier drei Lektoren aus Österreich, in Charkiw, in Kiew und hier in Lemberg zur Zeit; es kommen dazu als Verstärkung auch Sprachpraktikanten ein zwei Mal im Jahr auch nach Odessa und auch hierher; also wir versuchen den Standort Lemberg zu stärken auch durch Sprachpraktikanten und Lektoren."

Zur Rückbesinnung auf die österreichische Zeit trägt auch das MozArt-Festival bei, das heuer zum dritten Mal in Lemberg stattfindet. Im Palais Potocky ist derzeit eine Mozart-Ausstellung zu sehen, die mit Unterstützung des Salzburger Mozarteums zustande kam. Anlass ist der im November bevorstehende 300. Jahrestag des Geburtstages von Leopold Mozart, dem Vater von Wolfgang Amadeus. Dessen Talent förderte Vater Leopold von früherster Kindheit an. Zu den wichtigsten Exponaten zählt die Violinschule, ein Lehrbuch, das Leopold Mozart 1756 verfasst hat. Dieses Buch ist bis heute aktuell:

"Jeder Musiker sollte dieses Buch sehr gut kennen, weil das die wichtigste Quelle für die Mozart-Interpretation für unser Jahrhundert ist."

Leopold Mozart komponierte auch; eines seiner Werke wurde bei einem Konzert im Palais Potocky aufgeführt. Seine große pädagogische Leistung war es, das Genie von Wolfgang Amadeus Mozart erkannt und gefördert zu haben.