MH17 Lokalaugenschein und Interview Girkin

Ukraine / Radio / MiJ / 2019-06-29 12:00

Einleitung

Vor knapp fünf Jahren wurde über der Ostukraine ein malaysisches Passagierflugzeug abgeschossen; alle 298 Insassen starben; internationale Ermittler in den Niederlanden haben nun vier Verdächtige wegen Mordes in 298 Fällen angeklagt; der Prozess gegen die drei Russen und einen Ukrainer soll im März nächsten Jahres beginnen, voraussichtlich in Abwesenheit, denn die vier Personen sind in Russland, das weiterhin bestreitet, für den Abschuss verantwortlich zu sein; unser Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz war gestern wieder an der Absturzstelle und hat auch mit einem der Beschuldigten gesprochen; hier sein Bericht:

Detail

Vor knapp fünf Jahren wurde über der Ostukraine ein malaysisches Passagierflugzeug abgeschossen; alle 298 Insassen starben; internationale Ermittler in den Niederlanden haben nun vier Verdächtige wegen Mordes in 298 Fällen angeklagt; der Prozess gegen die drei Russen und einen Ukrainer soll im März nächsten Jahres beginnen, voraussichtlich in Abwesenheit, denn die vier Personen sind in Russland, das weiterhin bestreitet, für den Abschuss verantwortlich zu sein; unser Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz war gestern wieder an der Absturzstelle und hat auch mit einem der Beschuldigten gesprochen; hier sein Bericht:

Es war ein Bild des Schreckens, das sich Ermittlern und Journalisten Mitte Juli 2014 an der Absturzstelle in der Ostukraine bot. Überall lagen noch rauchende Trümmer und die Leichen der Insassen der Passagiermaschine herum, die schrittweise von den Einsatzkräften geborgen wurden. Enormes Glück hatten die Bewohner des Dorfes Grabowo, denn die Trümmer fielen teilweise keine 50 Meter von den Häusern auf die Felder. An die Tragödie erinnert nun ein schlichter Gedenkstein, während die politische und juristische Aufarbeitung nach wie vor andauert. Die Ermittler in den Niederlanden beschuldigen konkret eine russische Brigade, stationiert in Rostow am Don, das BUK-System in die Ostukraine gefahren und den Abschuss durchgeführt zu haben. Zu den nun vier angeklagten Personen zählt Igor Girkin, Kampfname Strelkow; bekannt wurde der frühere Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes FSB während der Kämpfe um die Stadt Slovjansk; im Sommer 2014 spielte der Russe dann eine zentrale Rolle in Donezk beim Kampf der Rebellen gegen Kiew. Den Vorwurf, für den Abschuss der malaysischen Boeing mitverantwortlich zu sein, weist Igor Girkin zurück:

"Ich bemühe mich, überhaupt keinen Kommentar zum Abschuss der Boeing abzugeben. Doch natürlich spielten der Abschuss und die Beschuldigung der Rebellen eine außerordentlich negative Rolle für uns alle. Auch für mich war das ein harter Schlag. So wie damals bin ich auch heute davon völlig überzeugt, dass mich niemand in diesem Zusammenhang beschuldigen muss."

Völlig klar sei, dass die prorussischen Rebellen jedenfalls nicht in der Lage gewesen seien, die Passagiermaschine abzuschießen, betont Igor Girkin:

„Ich sagte das damals und sage das auch heute; die Rebellen hatten überhaupt nicht die Waffen, um die Boeing abzuschießen. Die vorhandenen Waffen zur Luftabwehr hatten nur eine Reichweite von zwei bis zweieinhalb Kilometern, beziehungsweise von sechs bis sechseinhalb Kilometern. Daher konnten wir keine Boeing abschließen, die sich in einer Höhe von mehr als zehn Kilometern befand.“

Doch die Rebellen in der Osturkaine beschuldigt ohnehin niemand mehr, die Rakete selbst abgefeuert zu haben. Als Fälschung bezeichnet wird auch ein Tweet, in dem Girkin unmittelbar nach dem Abschuss geschrieben haben soll, dass die Rebellen einen ukrainischen Militärtransporter vom Typ AN-26 abgeschossen haben. Das Dementi erfolgte erst nachdem klar war, dass das Flugzeug eine Passagiermaschine war. Doch den Abschuss einer angeblichen AN-26 meldete damals auch die russische Nachrichtenagentur TASS. Ein Irrtum dürfte jedenfalls 298 Menschen das Leben gekostet haben. Auf einem Kornfeld, 20 Kilometer von der Absturzstelle entfernt, soll die BUK-Rakete abgefeuert worden sein. Doch trotz erdrückender Hinweise lässt ein Eingeständnis aus Moskau weiter auf sich warten.