Erdrutschsieg für Selenskij in der Ukraine

Ukraine / Radio / MiJ / 2019-04-22 12:00

Einleitung

In der Ukraine hat gestern ein politisches Erdbeben stattgefunden. Der politische Kabarettist Wolodimir Selenskij gewann die Stichwahl um das Präsidentenamt mit mehr als 73 Prozent der Stimmen; Präsident Petro Poroschenko kommt nur auf etwa 26 Prozent. Die Wahlbeteiligung war mit 62 Prozent fest gleich hoch wie im ersten Wahlgang vor drei Wochen; stimmberechtigt waren 30 Millionen Ukraine. Aus Kiew berichtet Christian Wehrschütz

Detail

In der Ukraine hat gestern ein politisches Erdbeben stattgefunden. Der politische Kabarettist Wolodimir Selenskij gewann die Stichwahl um das Präsidentenamt mit mehr als 73 Prozent der Stimmen; Präsident Petro Poroschenko kommt nur auf etwa 26 Prozent. Die Wahlbeteiligung war mit 62 Prozent fest gleich hoch wie im ersten Wahlgang vor drei Wochen; stimmberechtigt waren 30 Millionen Ukraine. Aus Kiew berichtet Christian Wehrschütz

In der Ukraine steht ein Machtwechsel bevor. Neuer Präsident wird Volodimir Selenskij; er erzielte das beste Ergebnis, dass je ein Kandidat bei einer Präsidentenwahl erreicht hat; den Weg vom Kabarettisten zum künftigen Präsidenten legte er in nur vier Monaten zurück, auch weil er keine Angriffsflächen bot; dazu sagt in Kiew der Generalsekretär von ENEMO, eines Zusammenschlusses von Wahlbeobachtern in Europa, Zlatko Vujovic:  

„Die Unzufriedenheit der Bürger richtete sich gegen den Präsidenten; der andere Kandidat war ein populärer Schauspieler, der bisher kein einziges öffentliches Amt ausgeübt hat. Daher gab es auch keinen Grund zur Kritik. In einer Lage, wo die Ukrainer etwas Neues und Anderes wollten, erhielt der Schauspieler die Unterstützung der Bürger, obwohl sein Programm ziemlich unklar blieb.“

Für Petro Poroschenko kam es zum vorhergesagten Absturz. Nur den nationalistisch dominierten Kreis Lemberg im Westen konnte er gewinnen; im russischsprachigen Osten und Süden erreichte er nur zwischen 10 und 15 Prozent. Poroschenko räumte seine Niederlage ein, will aber in der Politik bleiben; seine Rede am Wahlabend war bereits eine Kampfansage für die Parlamentswahl im Herbst. Erst danach wird völlig klar sein, welchen politischen Kurs die Ukraine in den kommenden fünf Jahren einschlagen wird.