Der Kampf um die Fahne

Slowenien / Zeitung / Kleine Zeitung / 2021-06-24 07:00

Einleitung

Während des Krieges verletzte die jugoslawische Luftwaffe wiederholt den österreichischen Luftraum. So überflogen am 28. Juni 1991 Hubschrauber mit Rotem Stern die Kaserne in Straß. Stunden später erfuhr Oberstleutnant Josef Paul Puntigam, dass mehrere jugoslawische Hubschrauber auf dem Bubenberg bei Spielfeld eine Luftlandung durchgeführt hatten. Puntigam fuhr mit seinem

Detail

Während des Krieges verletzte die jugoslawische Luftwaffe wiederholt den österreichischen Luftraum. So überflogen am 28. Juni 1991 Hubschrauber mit Rotem Stern die Kaserne in Straß. Stunden später erfuhr Oberstleutnant Josef Paul Puntigam, dass mehrere jugoslawische Hubschrauber auf dem Bubenberg bei Spielfeld eine Luftlandung durchgeführt hatten. Puntigam fuhr mit seinem Kraftfahrer auf einem Hohlweg unmittelbar zu Grenze, die damals mit Holzmasten gekennzeichnet war, auf denen österreichische Fahnen montiert waren. Am Ende des Hohlweges sah der Oberstleutnant dort etwa 60 jugoslawische Soldaten, die auf österreichischem Gebiet lagerten. Die weiteren Ereignisse schildert Puntigam so:

"Ich begab mich zu einem dieser Masten und ergriff den Masten. Da kommt ein junger jugoslawischer Soldat auf mich zu, und fetzt vor mir die Fahne herunter. Ich habe diesem Mann die Fahne entrissen und schlug ihm mit dem Handballen gegen die Brust, und der Soldat taumelte. Einige jugoslawische Soldaten hoben die Waffen, doch die Masse der Soldaten hat denen die Waffen wieder nach unten gedrückt. Mein Kraftfahrer wiederum stieg aus, zeigte mit seinem Sturmgewehr 58 nach oben und repetierte drei Mal, um zu zeigen, dass auch wir scharfe Munition haben und blieb in aller Seelenruhe stehen. Ich habe den Fahrer später gefragt, warum er nicht bei einem Baum in Stellung ging. Darauf antwortete er: "Herr Oberstleutnant, wenn ich das mache, dann kracht es, weil die glauben, jetzt geht es los; um das zu verhindern, bin ich stehen geblieben."

Die Lage entspannte sich, die jugoslawischen Soldaten räumten das österreichische Territorium und Puntigam behielt die Fahne. Zwischen 1. Und 2. Juli löste sich die Luftlandung auf. Zwischen 12 und 16 jugoslawische Soldaten versuchten die Mur zu überqueren, wurden von österreichischen Soldaten aufgegriffen, dann dem Truppenübungsplatz Seethaler Alpe gebracht und dort interniert. Einige Tage später wurden sie nach Belgrad ausgeflogen. Puntigam ist der Ansicht, dass das die einzigen jugoslawischen Soldaten waren, die je in Österreich interniert wurden.