Bundesheereinsatz an der Staatsgrenze

Slowenien / Radio / MiJ / 2021-06-23 12:00

Einleitung

Am 26. Juni 1991, also vor 30 Jahren, erklärte Slowenien seine Unabhängigkeit. Bereits am Nachmittag desselben Tages schickte die jugoslawische Volksarmee in Marsch, um die Grenzübergänge zu Italien und Österreich zu besetzen. Damit sollte der Welt demonstriert werden, dass Slowenien keine Chance hatte, sich von Jugoslawien abzuspalten. Doch der Widerstand war stärker als von Belgrad erwartet; angesichts der heftigen Kämpfe entschloss sich der damalige Verteidigungsminister Werner Fasslabend dann am Abend des 28. Juni und befahl dem Bundesheer den Sicherungseinsatz an der Staatsgrenze in Kärnten und der Steiermark. Mit insgesamt 7.700 Soldaten war das der größte militärisc

Detail

Am 26. Juni 1991, also vor 30 Jahren, erklärte Slowenien seine Unabhängigkeit. Bereits am Nachmittag desselben Tages schickte die jugoslawische Volksarmee in Marsch, um die Grenzübergänge zu Italien und Österreich zu besetzen. Damit sollte der Welt demonstriert werden, dass Slowenien keine Chance hatte, sich von Jugoslawien abzuspalten. Doch der Widerstand war stärker als von Belgrad erwartet; angesichts der heftigen Kämpfe entschloss sich der damalige Verteidigungsminister Werner Fasslabend dann am Abend des 28. Juni und befahl dem Bundesheer den Sicherungseinsatz an der Staatsgrenze in Kärnten und der Steiermark. Mit insgesamt 7.700 Soldaten war das der größte militärische Einsatz des Bundesheeres; mit Soldaten von damals hat unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz gesprochen; hier sein Bericht:

In der Steiermark bildet seit dem Ersten Weltkrieg die Mur die Grenze zwischen den Städten Bad Radkersburg und Gornja Radgona. Am 28. Juni 1991 besetzten jugoslawische Truppen mit Panzern den Grenzübergang auf der slowenischen Seite der Brücke. In der Stadt kam es zu heftigen Kämpfen. Auf österreichischer Seite liegt die Kaserne in Radkersburg nicht weit von der Grenze entfernt. Dort war Martin Weber damals Wachkommandant; den Kriegsbeginn erlebte er so:

"Mein Torposten fangt draußen zum Hupfen und zum Springen an und deit mit Hend und Fiaß; und i machs Fenster auf und schrei no: " Steh' grad!" Und er sagt ma, NEIN, er hört Kanonenschüsse. Dann habe ich sofort Alarm gegebn. Das war schon eine besondere Streßsituation, weil wir waren gefühlte acht System-Erhalter nur in der Kaserne da. Die Sechs-Monate-Präsenzdiener hat man ja kurz zuvor abrüsten lassen, und wir waren acht System-Erhalter - Koch Maler, drei Wachsoldaten, wie direkt an der Grenze der Krieg losgegangen ist."

Direkt an der Mur-Brücke und damit an der vordersten Linie kommandierte Vizeleutnant Gustav Beyer einen Zug gut ausgebildeter Einjährig-Freiwilliger. Der Einsatz begann am 29. Juni als die Kämpfe in Gornja Radgona schon voll im Gange waren. Die Reaktion der Bewohner von Bad Radkersburg schildert Gustav Beyer so:

"Wie wir hierhergekommen sind, war es Samstag; ich habe hier sehr viele Zivilisten gekannt, weil ich ja sieben Jahre hier stationiert war; die Bürger mich gefragt: "Warum kommt ihr erst heute?!" Meine Antwort war: „Wenn sie uns nicht früher schicken, so können wir nichts dafür."

Der damalige Oberstleutnant Josef Paul Puntigam führte bis zu 1.600 Soldaten an der 130 Kilometer langen steirisch-slowenischen Grenze. Puntigam führte seine Truppe stets von vorne. Dabei galt es brenzlige Situationen zu meistern, wie etwa um Grenzübergang Sveti Duh. Nach einer Schießerei wichen jugoslawische und slowenische Soldaten auf österreichisches Territorium aus. Das Bundesheer hatte die Kombattanten zu trennen und die Grenze zu sichern. Wie viele feindliche Soldaten waren das damals? Darauf antwortet Josef Paul Puntigam lakonisch:

"Ich glaube bei den Jugoslawen war das eine Karaula-Besatzung, also eine Schützengruppe, ich glaube fünf bis sechs Soldaten; und bei den Slowenen waren es auch drei bis fünf Leute; also wenig Leute, aber genug, um sich gegenseitig umzubringen."

Die Entscheidung der politischen Führung, völlig ausgebildete Grundwehrdiener unmittelbar vor dem Einsatz abrüsten zu lassen, hält Puntigam bis heute für falsch. Doch weder der Bundespräsident noch die Regierung waren bereit, den Wehrdienst zu verlängern, weil man gegenüber dem Ausland keine besonderen militärischen Signale aussenden wollte. Schließlich und endlich meisterte das Bundesheer diesen Einsatz ohne Verluste; das Fazit von Josef Paul Puntigam dazu, lautet so:

"Unsere stärkste Waffe war das Glück. Wir hatten unzählige Male einfach Glück. Natürlich war der Kader exzellent ausgebildet; natürlich wurde sehr klug durch die militärische Führung immer entschieden. Aber auf Dauer hat der Tüchtige Glück. Und hätten wir dieses Glück nicht gehabt - ich getraue mich nicht zu sagen, wie der Einsatz dann wirklich abgelaufen wäre."