Slowenien und COVID19

Slowenien / Radio / MiJ / 2020-10-22 12:00

Einleitung

Vom Tabellenführer bis zum Schlusslicht ist es an sich beim Fußball ein langer Weg. Im Falle der Corona-Krise hat Slowenien diesen Weg binnen weniger als fünf Monaten zurückgelegt. Denn die erste Welle meisterte Slowenien dank sehr strenger Maßnahmen sehr gut und zählte zu den besten in Europa. Nun zählt unser Nachbar zu den Schlusslichtern mit mehr als 1000 Neuinfizierungen, die vorgestern in dem zwei Millionen Einwohner zählenden Land registriert wurden

Detail

Vom Tabellenführer bis zum Schlusslicht ist es an sich beim Fußball ein langer Weg. Im Falle der Corona-Krise hat Slowenien diesen Weg binnen weniger als fünf Monaten zurückgelegt. Denn die erste Welle meisterte Slowenien dank sehr strenger Maßnahmen sehr gut und zählte zu den besten in Europa. Nun zählt unser Nachbar zu den Schlusslichtern mit mehr als 1000 Neuinfizierungen, die vorgestern in dem zwei Millionen Einwohner zählenden Land registriert wurden. Die Regierung reagierte mit drastischen Maßnahmen; in 11 von 12 Regionen dürfen die Bewohner ihre Region nur bei triftigen Gründen verlassen, Kinos und Theater müssen heute schließen und auch Gaststätten und Kaffees sind zu. In der Nacht gilt ab 21 Uhr eine Ausgangssperre. Über die Lage berichtet unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz:

Am späteren Abend gleicht Laibach wegen der Ausgangssperre einer Geisterstadt; doch auch am Tag sind die Spuren der Corona-Krise deutlich sichtbar. Die Masse der Kaffees und Restaurants ist geschlossen, die wenigen die offen haben, bieten Getränke und Speisen nur zum Mitnehmen an: „Burger und Kaffee für Zu Hause, Take away“, steht auf einem Schild. Masken tragen viele Laibacher auch im Freien. Einen Grund für den starken Anstieg der Infektionen sehen Experten in Touristen, die ihren Urlaub in Kroatien verbracht haben; dadurch seien viele Fälle importiert worden. Den zweiten Grund formuliert die Epidemiologin Bojana Beovic in Laibach so:

„Die erste Welle war mild; viele waren der Meinung, dass die Maßnahmen unnötig waren. Darüber hinaus gab es unterschiedliche Interessen, die dieses Denken anregten, und dies führte natürlich zur Verbreitung importierter Fälle. Dieser exponentielle Anstieg war in der Tat unter solchen Bedingungen zu erwarten. Hinzu kommt, dass wir alle erwartet haben, dass sich die Krankheit nur im Winter ausbreitet, ähnlich wie andere Atemwegs-Viren; außerdem gab es eine Idee, mit diesem Virus auf normale Weise zu leben.«

Seit Beginn der Krise und bis gestern sind in Slowenien 202 Personen an dem Virus gestorben; aus anderen Gründen starben in Slowenien in den ersten acht Monaten aber fast 14.000 Personen. Die Gefährlichkeit des Virus sehen Experten vor allem im enormen Potential seiner Ausbreitung, das auch das slowenische Gesundheitswesen vor große Herausforderungen stellt. Dazu sagt der Leiter der Universitätsklinik in Laibach, Janez Poklukar:

"In den vergangenen sechs Wochen haben wir wegen COVID so viele Patienten hospitalisiert, wie wir im ersten Halbjahr insgesamt gehabt haben. Die Zahlen steigen steil an. Für die kommenden zwei bis vier Wochen rechnen wir mit einer Verdoppelung der Zahl. Die größte Herausforderung für die Universitätsklinik besteht im Personalmangel. Wir behelfen uns damit, dass wir ausländisches Personal anstellen, pensionierte Krankenschwestern reaktivieren sowie Studenten und Freiwillige mobilisieren."

Gut gehalten haben sich bisher die Schulen in der Corona-Krise, denn es gab nur wenige Fälle. Trotzdem gelten einschneidende Maßnahmen. Beim Betreten und Verlassen sowie am Gang gilt Maskenpflicht; etwa 80.000 Schüler werden derzeit im Fernunterricht zu Hause durch den Einsatz von Online-Plattformen sowie Computern mit Kameras unterrichtet. Die Maßnahmen beschreibt Unterrichtsministerin Simona Kustec-Lipicer so

»In dieser Woche wenden wir eine Kombination von zwei Modellen an; somit gehen in den Grundschulen die Kinder von der ersten bis zur fünften Klasse in die Schule, während die Kindervon der sechsten bis zur neunten Klasse Fernunterricht von zu Haus aus haben. In den Mittelschulen haben alle KInder Fernunterricht. Nächste Woche haben wir Herbstferien. Ab erstem November werden wir dann auf der Basis der epidemiologischen Lage entscheiden, wie es weitergeht."

Wie es weitergeht ist generell die große Frage. Die Epidemiologin Bojana Beovic rechnet damit, dass sich die Lage im Winter weiter verschlechtern könnte; mit einer wirklichen Entspannung rechnet Beovic erst im Mai des nächsten Jahres.