Migrationsdruck steigt wieder auf der Balkanroute

Slowenien / Sonstiges / Facebook / 2020-06-13 15:00

Einleitung

Die Corona-Pandemie und die Quarantäne-Maßnahmen in der EU und am Balkan haben auch die Migration aus Pakistan, Afghanistan und Nordafrika weitgehend zum Erliegen gebracht. Doch mit der Aufhebung der Einschränkungen der Reise- und Bewegungsfreiheit steigt nun auch wieder die illegale Migration über die sogenannte Balkan-Route wieder spürbar an. Aus

Detail

Die Corona-Pandemie und die Quarantäne-Maßnahmen in der EU und am Balkan haben auch die Migration aus Pakistan, Afghanistan und Nordafrika weitgehend zum Erliegen gebracht. Doch mit der Aufhebung der Einschränkungen der Reise- und Bewegungsfreiheit steigt nun auch wieder die illegale Migration über die sogenannte Balkan-Route wieder spürbar an. Aus diesem Grund hat Slowenien Anfang Juni zusätzlich 1000 Polizisten an die Grenze zu Kroatien beordert. Mit der slowenischen Grenzpolizei hat unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz über die Lage und die Einschätzung des Migrationsdrucks am Westbalkan gesprochen:

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Slowenien

Inserts: Melita Mocnik, Pressesprecherin der slowenischen Grenzpolizei

Gesamtlänge:

Mit dem Ende der Corona-Quarantäne steigt auch wieder die Migration auf der Balkanroute; diese Gruppe versuchte über die grüne Grenze von Bosnien nach Kroatien zu gelangen und weiter nach Slowenien. In Laibach verzeichnete die Polizei in den ersten fünf Monaten knapp 3300 illegale Grenzübertritte:

1'42 - Migrationsdruck 2'01

"Der Migrationsdruck wurde zum Teil geringer im März und im April; aber im Mai und vor allem in den ersten zehn Tagen des Juni verzeichnen wir bereits einen großen Anstieg illegaler Grenzübertritte.

2'43 - Zahlen- 3'05

"Zu Beginn der Monate März und April als das Corona-Virus am stärksten war, hatten wir keine 40 illegalen Grenzübertritte pro Woche. In der vergangenen Woche hatten wir bereits 322 illegale Übertritte. Das heißt, der Trend geht stark nach oben."

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres griff die Grenzpolizei knapp 3.300 Personen auf, die illegal die Grenze von Kroatien nach Slowenien passieren wollten. Die meisten Versuche finden über die grüne Grenze statt. Was die Staatsangehörigkeit betrifft, so dominieren Pakistani und Afghanen; und wie sieht die Altersstruktur aus?

3'15 - Alter 3'46

"Das sind vor allem junge Männer im Alter von 25 bis 38 Jahren. Das Alter hängt auch von der Staatsangehörigkeit ab; jünger sind Marokkaner und Algerier, vielleicht etwas älter sind Pakistani. Sie sind allein ohne Familie; nur gelegentlich haben wir auch Familien, die aber fast ausschließlich aus Syrien stammen. In den anderen Fällen sprechen wir von Männern, die allein kommen."

Slowenien ist weiterhin nur ein Transitland; seine Grenze zu Kroatien ist nach wie vor die Schengen-Außengrenze der EU; warum Laibach nun 1000 Polizisten zusätzlich an die kroatische Grenze entsandt hat, begründet die Pressesprecherin so:

8'51 Migranten am Balkan 9'30

"Slowenien bereitet sich intensiv auf die erwartete Zunahme illegaler Grenzübertritte vor, weil allein in den Staaten auf dem Weg des Westbalkan das Migrationspotential sehr hoch ist. Wir reden von mindestens 80.000 Anwesenden in Griechenland, von mindestens 12.000 in Serbien, von mindestens 20.000 in Bosnien und Herzegowina, doch das sind grobe Schätzungen. All diese Personen haben das Ziel, in Staaten der EU zu gelangen."

Die Zielländer hängen von der Staatsangehörigkeit der Migranten ab. Ein wichtiges Zielland ist auch Italien:

10'07 - Italien 10'37

"Viele wollen nach Italien, weil sich Italien derzeit zur sogenannten Legalisierung des illegalen Aufenthalts entschließt; das betrifft 200.000 jener Personen, die derzeit illegal sind; unter dem Zeichen der Beschäftigung soll ihr Status geregelt werden. Sehr hoch ist daher derzeit die Zahl jener, die angibt, dass aus diesem Zweck Italien ihr Zielland ist."

Zugenommen haben auch die Aktivitäten der Schlepper. So griff die Polizei in Nordmazedonien Anfang Juni 142 Personen auf, die in einem LkW an die Grenze zu Serbien unterwegs waren.