Slowenien und die Folgen des Virus

Slowenien / Radio / MiJ / 2020-04-11 12:00

Einleitung

Slowenien hat das Corona-Virus bisher gut gemeistert; 1124 Personen sind infiziert, 43 verstorben. Es Ausgangsbeschränklungen, Schulen und Restaurants sind geschlossen. Bei den Tests liegt Slowenien im internationalen Spitzenfeld; Engpässe bei Betten auf Intensivstationen gibt es keine. Auch in Slowenien hat die Corona-Krise die Wirtschaft massiv getroffen. Die Regierung will daher bis Ende Mai etwa drei Milliarden Euro in die Wirtschaft pumpen. Das sogenannte

Detail

Slowenien hat das Corona-Virus bisher gut gemeistert; 1124 Personen sind infiziert, 43 verstorben. Es Ausgangsbeschränklungen, Schulen und Restaurants sind geschlossen. Bei den Tests liegt Slowenien im internationalen Spitzenfeld; Engpässe bei Betten auf Intensivstationen gibt es keine. Auch in Slowenien hat die Corona-Krise die Wirtschaft massiv getroffen. Die Regierung will daher bis Ende Mai etwa drei Milliarden Euro in die Wirtschaft pumpen. Das sogenannte Mega-Anti-Corona-Gesetz sieht unter anderem vor, dass Betriebe von Sozialabgaben befreit werden und Mitarbeitern, die nun zu Hause sind, 80 Prozent ihres Lohns vom Staat bekommen. Geplant ist noch ein weiteres Gesetz, um die Liquidität der Betriebe zu gewährleisten; alle Maßnahmen sollen unbürokratisch abgewickelt werden. Offen sind weiter einige wichtige Übergänge zwischen Slowenien und Österreich; mehr als 20.000 slowenische Pendler dürften nach wie vor in Österreich arbeiten; es berichtet unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz:

In Laibach und anderen Städten Sloweniens prägt der Kampf gegen das Corona-Virus ebenfalls das Stadtbild. Das öffentliche Leben ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Hochbetrieb herrscht dagegen bei der Firma Seti in Kranj. Der Hersteller von Servietten produziert nun Schutzmasken – mehr als sechs Millionen bereit seit Mitte März. Je nach Art der Maske kosten sie zwischen 50 Eurocent und knapp weniger als zwei Euro. Zu den größten Vorteilen der Maske zählt aber nicht der Preis, erläutert der Chef der Firma, Ales Sarec:

"Die Maske kann man problemlos in der Maschine waschen; die Waschtemperatur ist nicht wichtig; das Papier hält bis zu 250 Grad Celsius aus, sodass man die Maske sowohl mit 60 als auch mit 90 Grad waschen kann. Wir raten den Menschen, Masken dieser Ausführung nicht zu waschen, sondern nur Bügeln, weil auch das Bügeln das Virus abtötet; tatsächlich waschen soll man nur, wenn die Maske verschmutzt ist."

Doch natürlich leiden in Slowenien viele Betriebe unter der Krise; ein Überblick vermittelt in Laibach der stellvertretende Direktor der Wirtschaftskammer, Hribar Milič:

"Nach unserer Schätzung haben sich bei etwa einem Drittel der Betriebe die Einnahmen mehr als halbiert, bei einem weiteren Drittel beträgt der Rückgang zwischen 10 und 50 Prozent und das dritte Drittel arbeitet normal. Die Arbeitslosigkeit wäre noch wesentlich höher, hätte der Staat nicht Maßnahmen ergriffen, mit denen er die Ausgaben der Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziell unterstützt."

Die Wirtschaftskammer bewertet das Hilfspaket der Regierung grundsätzlich positiv. Einerseits drohen hohe Strafen für falsche Angaben aber andererseits soll rasch und unbürokratisch geholfen werden.

Slowenien ist ein Industrieland; 80 Prozent der Erzeugnisse werden exportiert; somit besteht eine große Abhängigkeit von der Erholung der Märkte vor allem in Deutschland und Italien; der Kampf gegen die Krise ist jedenfalls ein Wettlauf mit der Zeit, betont der frühere Präsident der Nationalbank, Mitja Gaspari:

"Wir rechnen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von sechs bis 12 Prozent für heuer, und zwar in Abhängigkeit davon wie lange das Krisenmanagement dauern wird. Dauern die Maßnahmen drei Monate, dann wird der Rückgang möglicherweise 10 Prozent betragen. Würden die Maßnahmen länger dauern, wäre das ein Desaster für die Wirtschaft."

Trotz der Krise arbeiten nach wie vor viele Slowenen als Pendler vor allem in Österreich; die Gewerkschaft der slowenischen Arbeitsmigranten schätzt ihre Zahl auf etwa 23.000, vor der Krise dürften es um 2000 mehr gewesen sein. Die Grenze von und nach Österreich ist weiter passierbar, wenn eine Bestätigung des Arbeitgebers und keine Krankheitssymptome vorliegen.