Slowenien und die wirtschaftlichen Folgen

Slowenien / Sonstiges / Facebook / 2020-04-10 12:00

Einleitung

Auch in Slowenien hat die Corona-Krise die Wirtschaft massiv getroffen. So schätzt die Wirtschaftskammer, dass sich bei einen Drittel aller Betriebe der Umsatz mehr als halbiert hat, bei einem weiteren Drittel liegt der Rückgang zwischen 10 und 50 Prozent, das dritte Drittel arbeitet normal. Die Regierung will daher bis Ende Mai etwa drei Milliarden Euro in die Wirtschaft pumpen.

Detail

Auch in Slowenien hat die Corona-Krise die Wirtschaft massiv getroffen. So schätzt die Wirtschaftskammer, dass sich bei einen Drittel aller Betriebe der Umsatz mehr als halbiert hat, bei einem weiteren Drittel liegt der Rückgang zwischen 10 und 50 Prozent, das dritte Drittel arbeitet normal. Die Regierung will daher bis Ende Mai etwa drei Milliarden Euro in die Wirtschaft pumpen. Das sogenannte Mega-Anti-Corona-Gesetz sieht unter anderem vor, dass Betriebe von Sozialabgaben befreit werden und Mitarbeitern, die nun zu Hause sind, 80 Prozent ihres Lohns vom Staat bekommen. Geplant ist noch ein weiteres Gesetz, um die Liquidität der Betriebe zu gewährleisten; alle Maßnahmen sollen unbürokratisch abgewickelt werden. Andererseits haben manche Unternehmer auch sehr geschickt auf die Krise reagieren und produzieren nun Schutzmasken. Offen sind weiter einige wichtige Übergänge zwischen Slowenien und Österreich; mehr als 20.000 slowenische Pendler dürften nach wie vor in Österreich arbeiten

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz

Kamera: Miha Dolinsek

Schnitt: Mica Vasiljevic

Inserts:

Aleš Šarec, Masken-Hersteller in Kranj

Aleš Šarec, Masken-Hersteller in Kranj

Silvester Pečjak, Direktor der Bäckerei Pecjak

Silvester Pečjak, Direktor der Bäckerei Pecjak

Hribar Milič, Wirtschaftskammer Sloweniens

 

Hribar Milič, Wirtschaftskammer Sloweniens

Mitja Gaspari, ehemaliger Präsident der slowenischen Nationalbank

Mario Fekonja, Gewerkschaft der slowenischen Arbeitsmigranten

Mario Fekonja, Gewerkschaft der slowenischen Arbeitsmigranten

Gesamtlänge 5’40

In Laibach und anderen Städten Sloweniens prägt der Kampf gegen das Corona-Virus ebenfalls das Stadtbild. Das öffentliche Leben ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Doch wie die Firma Seti in Kranj zeigt, gibt es auch Unternehmer, die die Krise zu nutzen gewusst haben. Der Hersteller von Servietten produziert nun Schutzmasken – mehr als sechs Millionen bereit seit Mitte März.

1'38 - Zertifikat - 2'09 (30)

"Das Zertifikat für das Material hatten wir schon von Beginn an; am 19. März bekamen wir dann die Bestätigung vom Amt für den Schutz vor Infektionskrankheiten in Laibach, dass unser Material auch geeignet ist für Schutzmasken für die Bevölkerung; das sind allgemeine Masken, keine medizinischen Masken."

Je nach Art der Maske kosten sie zwischen 50 Eurocent und knapp weniger als zwei Euro. Zu den größten Vorteilen der Maske zählt aber nicht der Preis:

2'48 - Waschen 3'19 (30)

"Die Maske kann man problemlos in der Maschine waschen; die Waschtemperatur ist nicht wichtig; das Papier hält bis zu 250 Grad Celsius aus, sodass man die Maske sowohl mit 60 als auch mit 90 Grad waschen kann. Wir raten den Menschen, Masken dieser Ausführung nicht zu waschen, sondern nur zu bügeln, weil auch das Bügeln das Virus abtötet; tatsächlich waschen soll man nur, wenn die Maske verschmutzt ist."

Doch natürlich leiden auch in Slowenien viele Betriebe unter der Krise; dazu zählt diese Bäckerei; denn das Virus hat natürlich auch die Konsumgewohnheiten der verändert:

0'21 - Rückgang Brot - 0'56

"Der Verkauf von Mehl ist stark gestiegen, und die Konsumenten backen zu Hause selbst ihr Brot. Hinzu kommt, dass sich die Konsumgewohnheiten stark geändert haben. Früher kauften sie drei bis vier Mal pro Woche ein, jetzt einmal pro Woche. Daher ist der Verbrauch an Brot um 50 Prozent in Slowenien gesunken."

Etwa jeder Fünfte der 400 Mitarbeiter ist derzeit zu Hause; die Firma hofft, Kündigungen vermeiden zu können; doch ob sie Hilfe vom Staat bekommen wird, ist fraglich:

2'44 - Problem Kriterien - 3'16 (30)

"Das entscheidende Kriterium ist, dass der Umsatz im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent gesunken ist. Hier besteht das Problem darin, dass die Epidemie nicht am ersten Jänner, sondern am 16. März begonnen hat. Doch in den ersten zwei Monaten war unser Umsatz sehr gut, da hatten wir ein Wachstum von 11 Prozent; das war viel höher als bei unseren Konkurrenten.“

Trotzdem bewertet die slowenische Wirtschaftskammer das Hilfspaket der Regierung grundsätzlich positiv. Einerseits drohen hohe Strafen für falsche Angaben aber andererseits:

3'24 - Frage- wie einfach Prozeduren- 3'46

"Soweit wir verstehen, hat der Staat unsere Erwartungen erhört, damit die Prozeduren so einfach wie möglich sind; die Frage, ob es berechtigt war, dass ein Unternehmen oder ein Einzelner in den Genuss dieser Maßnahmen gekommen ist, diese Berechtigung soll binnen eines Jahres bewertet werden."

Natürlich hängt das exportorientierte Slowenien stark von den Entwicklungen in Deutschland und Italien ab, doch die starke Industrie ist generell ein Vorteil:

4'50 - Industrie als Zugpferd - 5'31 (40)

"Slowenien ist ein starkes Industrieland; daher erwarten wir, dass diese Industrie auch die anderen Sektoren der Wirtschaft mit sich ziehen wird. Wir rechnen damit, dass sich die weltweite Nachfrage in einigen Schlüsselsektoren wie der Autoindustrie, in zwei bis drei Monaten stabilisieren wird. Auf dem Gebiet der Dienstleistungen wird es länger dauern; dazu zählen der Fremdenverkehr sowie Tätigkeiten, die damit verbunden sind. Da kann die Erholung mehr als ein halbes Jahr dauern."

Trotzdem ist der Kampf gegen das Virus auch wirtschaftlich ein Wettlauf mit der Zeit:

"Wir rechnen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von sechs bis 12 Prozent für heuer, und zwar in Abhängigkeit davon wie lange das Krisenmanagement dauern wird. Dauern die Maßnahmen drei Monate, dann wird der Rückgang möglicherweise 10 Prozent betragen. Würden die Maßnahmen länger dauern, wäre das ein Desaster für die Wirtschaft."

So leer die Grenzen derzeit wirken, so arbeiten doch nach wie vor viele Slowenen als Pendler vor allem in Österreich:

1'25 - Wie viele im Ausland - 1'48

"Nach Angaben der Sozialversicherungsanstalt sind im Ausland krankenversichert zwischen 40.000 und 45.000 Personen. Nach unseren Daten waren davon in Österreich vor der Krise etwa 25.000 Slowenen. Während dieser Krise ist diese Zahl jetzt um etwa 1.800 gesunken."

 

Gibt es Probleme für Pendler an den Grenzen?

3'49 - Kontrollen und freies Reisen - 4'07 (18)

"Derzeit gibt es keine größeren Probleme an den Grenzübergängen; die Bestätigung des Arbeitgebers wird vorgezeigt, und damit passiert man die Grenze weitegehend ungehindert.“

Andererseits zeigen gerade die Grenzübergänge wie sehr die Krise die Wirtschaft trifft. Den Karawanken-Tunnel passieren nun täglich nur zwischen 600 und 1000 Fahrzeuge; 90 Prozent sind LkWs; der Schwerverkehr ist um ein Viertel, der PkW-Verkehr sogar um drei Viertel geringer als vor der Krise.