Interview mit Alexander Vucic

Serbien / Radio / MiJ / 2021-12-23 12:00

Einleitung

Serbien ist das Herzland des sogenannten Westbalkan, dem auch Bosnien und Herzegowina, Montenegro, der Kosovo, Nord-Mazedonien und Albanien angehören. So ist Serbien nicht nur das bevölkerungsreichste, sondern auch wirtschaftlich bei weitem das stärkste Land in der Region. Jüngst haben nun Serbien, Nord-Mazedonien und Albanien das Projekt „Offener Balkan“ auf Schiene gebracht. Bei einem Treffen der drei Staats- und Regierungschefs in Tirana wurde unter anderem die Freizügigkeit von Arbeitskräften vereinbart. In Belgrad hat unser Korrespondent Christian Wehrschütz mit Präsident Alexander Vucic über die Bedeutung des Projekts und die Lage in der Region gesprochen:

Detail

Serbien ist das Herzland des sogenannten Westbalkan, dem auch Bosnien und Herzegowina, Montenegro, der Kosovo, Nord-Mazedonien und Albanien angehören. So ist Serbien nicht nur das bevölkerungsreichste, sondern auch wirtschaftlich bei weitem das stärkste Land in der Region. Jüngst haben nun Serbien, Nord-Mazedonien und Albanien das Projekt „Offener Balkan“ auf Schiene gebracht. Bei einem Treffen der drei Staats- und Regierungschefs in Tirana wurde unter anderem die Freizügigkeit von Arbeitskräften vereinbart. In Belgrad hat unser Korrespondent Christian Wehrschütz mit Präsident Alexander Vucic über die Bedeutung des Projekts und die Lage in der Region gesprochen:

Bereits das Tito-Jugoslawien war wirtschaftlich ein sehr heterogener Staat. Diese Unterschiede haben die Zerfallskriege sowie die vergangenen 20 Jahre weiter verstärkt. Das gilt auch für die sechs Staaten des Westbalkan. Drei davon haben nun klare Schritte zu einer intensiven regionalen Zusammenarbeit gesetzt, die jüngst in der albanischen Hauptstadt Tirana fixiert wurde. Schrittweise soll ein gemeinsamer Markt zwischen Albanien, Nord-Mazedonien und Serbien entstehen; dazu sagt in Belgrad der serbische Präsident Alexander Vucic:

101'9 - Open Balkan - visionäres Projekt - 4'00

"Wer in Skopje oder Tirana arbeiten darf, darf auch sofort überall in Serbien arbeiten. Bisher musste sich etwa ein Albaner oder Mazedonier jeden Monat beim Innenministerium in Serbien melden, um seine Aufenthaltsgenehmigung zu erneuern. Arbeitsgenehmigungen dauerten Monate. An der Grenze zu Nord-Mazedonien wird es eine eigene Spur für Firmen aus den Ländern des "Offenen-Balkan-Projekts geben. Das nächste wird die Anerkennung von Diplomen und von Zertifikaten sein, die Laboratorien ausstellen; sie gelten in allen drei Staaten. Wir machen das, was die Gründer der EU zu Beginn getan haben, einen freien Verkehr von Personen, Waren und Kapital."

Montenegro, der Kosovo sowie Bosnien und Herzegowina verweigern bisher eine Teilnahme am Projekt „Offener Balkan“; sie fürchten eine wirtschaftliche Dominanz Serbiens. Trotzdem rechnet Alexander Vucic damit, dass diese Länder früher oder später teilnehmen werden:

17‘44- Region und Open Balkan – 19‘57‘8

"Für uns ist das Projekt Offener Balkan das Wesen der Beziehungen in der Region und ich glaube, dass sich alle anderen Länder anschließen werden, wenn sie den Nutzen sehen werden. Das muss das Modell der Zusammenarbeit sein. Ein Drittel der bosnischen Bevölkerung sind Serben; sie würden sich besser fühlen, wenn sie wissen, dass sie zwar vor allem in der Republika Srpska und in Bosnien Herzegowina leben, die Grenzen aber durchlässig wären. Dann gäbe es zwar diesen unabhängigen Staaten, doch die Serben könnten völlig frei mit Belgrad kommunizieren. Das gilt auch für die Bosniaken bei uns im Sandzak. Warum sollen sie nicht ohne das Spüren einer Grenze nach Sarajewo fahren können und umgekehrt."

In Bosnien und Herzegowina gibt es wieder massive politische Spannungen, weil die bosnischen Serben alle gesamtstaatlichen Institutionen blockieren. Der serbische Präsident betont, dass Serbien kein Interesse an Spannungen in diesem Nachbarstaat habe; Alexander Vucic:

5'40'6 - Zu Bosnien - 6'28'9 - 8'56'5 - Keine Probleme - 9'08

„Serbien achtet den Friedensvertrag von Dayton, die Integrität von Bosnien und Herzegowina, die niemals in Frage gestellt wurde. Aber gleichzeitig achten wir auch die Integrität der Republika Srpska im Rahmen des Staates, und das heißt, dass wir die Verfassung von Bosnien und Herzegowina achten. Unsere Politik ist konstant und verantwortungsbewusst. Wir wecken bei niemandem falsche Hoffnungen und drohen auch niemandem. Daher ist Serbien ein absolut stabilisierender Faktor, denn wir haben uns immer bemüht mäßigend zu wirken. Niemand braucht Probleme in Bosnien und Herzegowina, am wenigsten Serbien, das in der Region wirtschaftlich am schnellsten wächst."