Interview mit Alexander Vucic

Serbien / Fernsehen / ZiB2 / 2021-09-05 22:00

Einleitung

In Europa haben viele Länder mit einem beträchtlichen Widerstand gegen Corona-Impfungen zu kämpfen. Das führt zu der paradoxen Situation, dass es mehr Impfstoff gibt als verwendet werden kann. Drastische Beispiele sind die Länder des ehemaligen Jugoslawien. So ist nach einer EU-Umfrage Slowenien Schlusslicht bei der Bereitschaft, sich impfen zu lassen. Zu den Impfgegnern zählen auch viele Serben; etwa 50 Prozent der erwachsenen Bevölkerung waren Ende Juli immunisiert, aber nur 17 Prozent der jungen Bevölkerung. Über diese und andere

Detail

In Europa haben viele Länder mit einem beträchtlichen Widerstand gegen Corona-Impfungen zu kämpfen. Das führt zu der paradoxen Situation, dass es mehr Impfstoff gibt als verwendet werden kann. Drastische Beispiele sind die Länder des ehemaligen Jugoslawien. So ist nach einer EU-Umfrage Slowenien Schlusslicht bei der Bereitschaft, sich impfen zu lassen. Zu den Impfgegnern zählen auch viele Serben; etwa 50 Prozent der erwachsenen Bevölkerung waren Ende Juli immunisiert, aber nur 17 Prozent der jungen Bevölkerung. Über diese und andere Herausforderungen hat in Belgrad unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz das folgende Exklusivinterview mit Präsident Alexander Vucic geführt:

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Belgrad

Inserts: Alexander Vucic, serbischer Präsident

Gesamtlänge: 2’25

Serbien war zu Jahresbeginn Vorreiter in Europa bei der Verfügbarkeit von Corona-Impfstoffen. Doch seit Monaten kämpft auch Serbien mit einem beträchtlichen Impfwiderstand und eine Herdenimmunität ist noch nicht in Sicht:

2'53'5 - Widerstand gegen Impfungen - 3'28'6 (30)

"Der Widerstand gegen Covid-Impfungen ist offensichtlich ein universelles Problem und nicht nur das Problem eines Landes. Warum das so ist, verstehe ich nicht wirklich. Doch Verschwörungstheorien und negative Botschaften dringen offensichtlich immer besser durch als positive. Da spielen auch die sozialen Netzwerke eine Rolle, und die Tatsache, dass Menschen ihre Freiheit auch in Einstellungen sehen, die verantwortungslos sind."

Zu kämpfen hat die politische Führung zunehmend auch mit Protesten von Umweltschützern. Im Sommer brannten Teile der Mülldeponie von Belgrad, der Gestank war in der ganzen Stadt zu riechen. Widerstand regt sich auch gegen ein geplantes Bergwerk, in dem Lithium für Batterien für E-Autos abgebaut werden soll.

6’40 - Umweltschutz - 7'54'6 (32)

"Das Thema Umweltschutz wird wichtiger, weil die Menschen in Serbien sehen, dass der Lebensstandard steigt, neue Fabriken und Straßen gebaut werden. Fraglich ist, ob das wirklich das wichtigste Thema oder nur ein wichtiges Thema ist. Da geht es teilweise auch um politischen Missbrauch. Wir werden darauf mit einer seriösen Politik antworten, das heißt mit einer Verbesserung der Qualität von Luft und Wasser, und wir werden viel Geld investieren. Im Plan Serbien 2025 ist vorgesehen, dass wir mehr als 120 Gemeinden an die Kanalisation anschließen. Für Österreich ist es unvorstellbar, doch selbst ein Drittel von Belgrad hat noch keine Kanalisation. Wir werden Kläranlagen in allen Städten bauen. Hinzu kommt die Beseitigung von Leitungen mit Asbest. All das werden wir tun, aber ich werde mich nicht an einer De-Industrialisierung Serbiens beteiligen."

Und wie steht es um die EU-Perspektive, die für den gesamten Westbalkan immer unklarer wird?

10'38 - Serbien und EU - 12'08'9 (37)

"Beim jüngsten Treffen der EU-Außenminister haben sie darauf verwiesen, dass Serbien auch beim Rechtsstaat Fortschritte macht. Für uns ist wichtig, dass man weiß, dass wir aufrichtig auf dem europäischen Weg sind, doch können nicht warten, bis sich die Stimmung in der EU ändert. Wir wollen EU-Mitglied werden, doch deswegen werden wir nicht schlechte Beziehungen zu Russland oder China haben.“

Nicht nur mit der neuen Stadt „Belgrad am Wasser“ hat Alexander Vucic Serbien verändert und auch modernisiert. Ob er das Land auch wirklich demokratisieren und in die EU führen wird, ist fraglich, hängt aber natürlich nicht nur von ihm als Politiker ab.