Serbien COVID Welle trotz Impfung

Serbien / Zeitung / Kleine Zeitung / 2021-03-21 07:00

Einleitung

Im Kampf gegen das Corona-Virus bietet Serbien ein widersprüchliches Bild. Einerseits liegt das Balkan-Land bei den Impfungen gemessen je Million Einwohnern hinter Großbritannien in Europa an zweiter Stelle; bei der Verabreichung der zweiten Dosis führt Serbien sogar in Europa. Anderseits sind die Corona-Neuinfektionen aber so stark gestiegen, dass in der Vorwoche

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Im Kampf gegen das Corona-Virus bietet Serbien ein widersprüchliches Bild. Einerseits liegt das Balkan-Land bei den Impfungen gemessen je Million Einwohnern hinter Großbritannien in Europa an zweiter Stelle; bei der Verabreichung der zweiten Dosis führt Serbien sogar in Europa. Anderseits sind die Corona-Neuinfektionen aber so stark gestiegen, dass in der Vorwoche einen Lock down verhängt werden musste, der noch bis Montag dauert. Bis dahin arbeiten nur Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Tankstellen. Serbien verzeichnete täglich Neuinfektionen von mehr als 5.000 Fällen; am Freitag waren es fast 4.700.

Der Lock down ist eine Notbremse, die nach Ansicht anerkannter Ärzte viel zu spät gezogen wurde. Dieses Zögern sowie mangelnde Disziplin ließen die COVID-Zahlen massiv ansteigen; dazu beigetragen haben die Feiertage zu Jahresbeginn, Partys in den Schiorten sowie Corona-Partys mit bis zu mehreren hundert Teilnehmern. Experten werfen den medizinischen Mitgliedern des Krisenstabes vor, politisch willfährig zu sein; massive Zweifel hegt etwa der bekannte Epidemiologe Zoran Radonvanovic an der offiziellen Corona-Statistik: "Jetzt ist klar, dass die offizielle Zahl der Toten um das doppelte bis vierfache geringer ist als die Realität. Das waren keine Fehler, sondern bewusste Manipulationen. Ich habe mehrfach Anrufe von Ärzten bekommen, die mir gesagt haben, dass sie selbst so viele Tote gezählt haben wie dann für ganz Serbien gemeldet wurden. Im Vorjahr hatten wir eine Übersterblichkeit von 14.000 Personen; ich schätze dass davon zwischen 8000 und 10.000 COVID-Tote waren, während offiziell 3211 Tote im Vorjahr verzeichnet wurden."

Vom Krisenstab war niemand zu einem Interview bereit. Weiterhin gibt es genug Impfstoff, doch auch die Zahl der Impfgegner sei beträchtlich, betont Zoran Radovanovic: "Der Staat hätte eine Gesundheitserziehung durchführen und die Bedeutung der Impfung erklären müssen. 800.000 Bürger haben nun zwei Dosen bekommen, doch das ist nicht genug, weil diese Corona-Welle so intensiv ist." In Serbien können sich auch Ausländer zur Impfung anmelden, die keinerlei Beziehungen zum Land haben. Hinweise auf Impftourismus gibt es, aber noch keine Beweise, dass es sich um eine organisierte Form handelt, die über persönliche Beziehungen hinausgeht.