Serbien und die Massenimpfungen gegen COVID

Serbien / Radio / MiJ / 2021-01-23 12:00

Einleitung

In Serbien hat am Dienstag die Massenimpfung der Bevölkerung begonnen. Der Andrang ist groß; allein gestern wurden mehr als 40.000 Personen gegen das Corona-Virus geimpft. Die Anmeldung erfolgt online für das gesamte Land; bereits 500.000 Bewohner Serbiens haben sich registriert. Gespritzt werden die Impfstoffe von Pfizer, aber auch aus China und Russland. Über Organisation und Durchführung der Massenimpfung hat in Belgrad unser Balkan-

Detail

In Serbien hat am Dienstag die Massenimpfung der Bevölkerung begonnen. Der Andrang ist groß; allein gestern wurden mehr als 40.000 Personen gegen das Corona-Virus geimpft. Die Anmeldung erfolgt online für das gesamte Land; bereits 500.000 Bewohner Serbiens haben sich registriert. Gespritzt werden die Impfstoffe von Pfizer, aber auch aus China und Russland. Über Organisation und Durchführung der Massenimpfung hat in Belgrad unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz mit der serbischen Ministerpräsidentin Ana Brnabic gesprochen; hier sein Bericht:

Das größte Impfzentrum in Serbien ist die Messe in Belgrad; doch auch in allen größeren Städten bestehen Impfzentren und die Spritze verabreichen ebenso alle Ambulanzen in den Gemeinden. Die Bewohner Serbiens dürfen selbst wählen, welchen Impfstoff sie wollen, doch die Mehrheit hat keine klaren Präferenzen. Von Pfizer hat Serbien 1,8 Millionen Dosen bestellt; Verträge wurden für die Lieferung von insgesamt 6,5 Millionen Dosen abgeschlossen; hinzu kommt noch ein Anteil aus dem Kontingent, das die EU dem Westbalkan zur Verfügung stellt. Bei der Organisation der Massenimpfung habe sich Serbien Israel zum Vorbild genommen, erläutert in Belgrad Ministerpräsidentin Ana Brnabic:

1'28 - Vorbild Israel - 3'00'8 (48)

"Eine Woche vor Beginn der Massenimpfungen haben wir mit dem israelischen Gesundheitsministerium eine Video-Konferenz darüber gehabt, wie Israel in derart kurzer Zeit so viele Menschen impfen konnte. Nach diesem Modell sind wir vorgegangen. Zwei Wochen haben wir auch intensiv an unserem Informationssystem gearbeitet, um in Echtzeit die Impfungen vor Ort verfolgen zu können. Vorgestern haben wir etwas mehr als 30.000 Personen geimpft, gestern mehr als 40.000; das Interesse ist enorm: wir versuchen noch weitere Personen zu aktivieren, die impfen dürfen, weil die Zahl der Impfungen steigen wird, wenn dann immer mehr Personen die zweite Dosis verabreicht werden muss."

Sobald der Impfstoff in Serbien eintrifft, können die Behörden das Schicksal jeder einzelnen Dose in Echtzeit verfolgt; Vorsorge getroffen wurde auch für eine effiziente Verteilung, sagt Ana Brnabic:

3'24 - E-Verwaltung und Covid - 4'46 (40)

"Derzeit haben wir zwei Zentrallager in Belgrad. Am Abend verteilen wir den Impfstoff an die Gemeinden; dazu haben wir jede Gemeinde mit einem entsprechenden Kühlschrank ausgestattet. Die gesamte Verteilung können wir über unser elektronisches Informationssystems verfolgen. Hinzu kommt, dass sich jeder Bewohner, auch ein Ausländer, über das Internetportal zur Impfung anmelden kann. Gemäß unserer Rangliste bekommt die Person dann einen Impftermin per SMS oder Email, wobei der Termin automatisch auch in den Impfkalender am Ort der Impfung eingetragen wird."

So weit Serbien auf vielen Gebieten von der Justiz bis zum Umweltschutz noch hinter den entwickelten Staaten in Europa auch zurückliegen mag, bei der Digitalisierung hat das Land seit drei Jahren enorme Fortschritte vorzuweisen; denn die Digitalisierung ist auch ein politischer Schwerpunkt der Ministerpräsidentin selbst. Dazu sagt Ana Brnabic:  

7'09 - Digitalisierung seit 2016 - 8'44 (50)

"Bei der Digitalisierung haben wir einen Kampf an drei Fronten geführt; erstens ging es um die elektronische Verwaltung; daher haben wir heute dieses Informationssystem, das schon mehr als 500.000 Bürger genutzt haben, um sich zur Impfung anzumelden. Zweitens ging es um die Digitalisierung des Bildungswesens; wir wollen alle Schulen bis Ende des nächsten Jahres digitalisieren; dank dessen haben wir keinen einzigen Schultag im Vorjahr verloren, weil wir sofort auf den Online-Unterricht umstellen konnten. Drittens ging es um die Digitalisierung der Wirtschaft. Dadurch erhöhen wir die Effizienz der öffentlichen Verwaltung. Da haben wir noch sehr viel zu tun, doch wir haben viel erreicht. Das hilft uns in derartigen Situationen.“