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Mazedonien und NATO

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Berichte Nord-Mazedonien
Drei Tage vor Beginn der Mission „Wesentliche Ernte“ liegen die Vorbereitungen der NATO nach eigenen Angaben bisher im vorgesehenen Zeitplan. Neben dem Aufbau der eigenen Infrastruktur muß die NATO dabei auch immer wieder ihren Einsatz mit der mazedonischen Regierung aber auch mit den albanischen Freischärlern der UCK koordinieren. Das NATO- Hauptquartier ist bereits einsatzbereit und auch die Erkundungen der Sammelplätze für die Waffen der albanischen Freischärler sind weitgehend abgeschlossen. Die NATO-Soldaten haben die Waffen, die die UCK abgibt, nicht nur zu übernehmen, sondern auch zu sichern und zum Abtransport vorzubereiten. Nur ein kleiner Teil von Waffen, Munition und Sprengstoff werden in Mazedonien vernichtet, der Großteil soll in Griechenland zerstört werden. Noch nicht klar ist, wie stark die Freischärler tatsächlich sind über wie viele Waffen die UCK verfügt. Die Schätzungen gehen in beiden Fällen weit auseinander. Was die Stärke der Rebellen betrifft, so reichen die Mutmaßungen von 2000 bis 8000 Mann. Auch die Schätzungen zum Kriegsgeräts der UCK gehen weit auseinander: So spricht die mazedo-nische Regierung nun von 60.000 Waffen und das mazedonische Innenministerium gar von mehr als 80.000. Dazu zählten Revolver, Gewehre, aber auch Raketen, Granaten und Minen. Bisher war die Regierung von 6.000 bis 8.000 leichten Waffen ausgegangen.

Die NATO hat bisher noch keine offiziellen Angaben zum mutmaßlichen Waffenarsenal der UCK gemacht. Die westliche Allianz bezeichnete jedoch die Schätzungen aus Skopje als unwahrscheinlich, gemessen an der Zahl der Albanerrebellen. Vor wenigen Tagen hatte ein westlicher Diplomat noch gesagt, die NATO werde wahrscheinlich 2300 bis 2500 Waffen einsammeln. Genauere Angaben will die NATO in den kommenden Tagen vorlegen, denn bereits am Montag soll mit der Abgabe durch die UCK begonnen werden. Nach Ansicht der westlichen Allianz ist die Waffenabgabe an sich wichtiger als der Gesamtumfang der tat-sächlich abgegebenen Waffen selbst. So sagte der dänische Kommandant des NATO-Einsatzes in Mazedonien, Generalmajor Gunnar Lange, die Rebellen können sich wieder bewaffnen und wieder kämpfen. Viel wichtiger sei es, daß das im politischen Prozeß entstandene Vertrauen verhindere, daß die UCK erneut zu den Waffen greife. Diese Einschätzung ist zwar grundsätzlich richtig. Trotzdem werden sich NATO und mazedonische Führung bei der Zahl der Waffen einen gemeinsamen Nenner finden müssen. Denn von der Waffenabgabe hängt auch die Umsetzung des Friedensabkommens ab. So will das Parlament in Skopje mit der Behandlung des Friedensabkommens erst beginnen, wenn die UCK ein Drittel ihrer Waffen an die NATO übergeben hat. Ratifiziert werden soll das Abkommen erst, wenn alle Waffen eingesammelt wurden. Da an eine völlige Entwaffnung der UCK niemand glaubt ist dieser Kompromiß um so wichtiger, um zu verhindern, daß politische Falken sowie albanische und mazedonische Extremisten, das Abkommen nicht doch noch sabotieren können.

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