Mazedonien und die EU

Nord-Mazedonien / Fernsehen / ZiB1 / 2022-07-06 19:00

Einleitung

Kein Land des Balkan verkörpert den Wortbruch der EU und ihrer Mitglieder so klar wir Nord-Mazedonien. Zunächst blockierte Griechenland mehr als zehn Jahr den Beginn der EU-Beitrittsgespräche wegen des Namensstreits. Nach der Namensänderung blockiert nun Bulgarien, das die mazedonische Sprache und Identität nicht anerkennt und den Nachbarn zu Änderung seiner Geschichte zwingen will. Frankreich hat nur einen Kompromissvorschlag präsentiert, und EU-Ratspräsident Charles Michel war deswegen jüngst auch in Skopje

Detail

Kein Land des Balkan verkörpert den Wortbruch der EU und ihrer Mitglieder so klar wir Nord-Mazedonien. Zunächst blockierte Griechenland mehr als zehn Jahr den Beginn der EU-Beitrittsgespräche wegen des Namensstreits. Nach der Namensänderung blockiert nun Bulgarien, das die mazedonische Sprache und Identität nicht anerkennt und den Nachbarn zu Änderung seiner Geschichte zwingen will. Frankreich hat nur einen Kompromissvorschlag präsentiert, und EU-Ratspräsident Charles Michel war deswegen jüngst auch in Skopje

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz

Insert1: Stevo Pendarovski, Präsident von Nord-Mazedonien

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Seit Tagen demonstrieren in der Hauptstadt Skopje Mazedonier gegen den Vorschlag Frankreichs, mit dem die bulgarische Blockade der EU-Beitritts-Gespräche überwunden werden soll. Viele Menschen fürchten, dass ihnen eine Änderung ihrer nationalen Identität aufgezwungen werden soll, um Sofia gnädig zustimmen. Diese Ängste sind nach Ansicht des Staatspräsidenten unbegründet:

1'01'5 - Unterschied Sofia Paris - 2'32

"Der französische Vorschlag sieht vor, dass die bulgarische Minderheit in unserer Verfassung verankert wird. Das will auch Bulgarien. Doch der französische Vorschlag enthält nicht die bulgarische Haltung, wonach unsere Sprache bis 1944 ein bulgarischer Dialekt war und die mazedonische Nation erst 1944/45 durch einen Erlass von Marschall Josip Broz Tito geschaffen wurde. Somit konzentriert sich der französische Vorschlag auf die grundlegenden EU-Kriterien; dazu zählen auch gutnachbarliche Beziehungen, die für Europa ebenfalls schon lange wichtig sind."

Für den Vorschlag warb in Skopje der Präsident des Europäischen Rates Charles Michel, der auch mit Ministerpräsident Dimitar Kovatschevski zusammentraf. Die Regierung versucht eine breite Zustimmung in Mazedonien zu erreichen, doch nicht nur die Opposition ist dagegen. Der Frust der Bevölkerung ist enorm, weil Nord-Mazedonien seit 18 Jahren auf den Beginn von Beitrittsgesprächen mit der EU warten, und ein grünes Licht aus Bulgarien derzeit noch nicht in Sicht ist.