Montenegro aus der Sicht dreier Österreicher

Montenegro / Fernsehen / Mittag in Österreich / 2020-09-03 13:00

Einleitung

In den ersten Monaten der Corona-Krise galt Montenegro als Musterschüler im ehemaligen Jugoslawien. Durch rasche und sehr strenge Maßnahmen wies das kleine Land an der Adria, das etwas größer ist als Tirol, ab 1. Mai keinen einzigen Fall mehr an Neuinfizierungen auf. Dieser Zustand dauerte 40 Tage; durch die rasche Aufhebung der Maßnahmen und die mangelnde Disziplin der Bevölkerung stiegen die Zahlen auch in Montenegro deutlich an. Die Folgen der Corona-Pandemie haben auch den Tourismus massiv getroffen; hinzukommt nun noch

Detail

In den ersten Monaten der Corona-Krise galt Montenegro als Musterschüler im ehemaligen Jugoslawien. Durch rasche und sehr strenge Maßnahmen wies das kleine Land an der Adria, das etwas größer ist als Tirol, ab 1. Mai keinen einzigen Fall mehr an Neuinfizierungen auf. Dieser Zustand dauerte 40 Tage; durch die rasche Aufhebung der Maßnahmen und die mangelnde Disziplin der Bevölkerung stiegen die Zahlen auch in Montenegro deutlich an. Die Folgen der Corona-Pandemie haben auch den Tourismus massiv getroffen; hinzukommt nun noch eine politisch unsichere Zukunft. Denn bei der Parlamentswahl hat die seit 25 Jahren regierende Partei DPS unter Staatspräsident Milo Djukanovic nur ganz knapp die absolute Mehrheit verloren. Wie rasch und ob nun drei heterogene Oppositionsblöcke eine Regierung bilden können, ist offen. In Montenegro hat unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz mit drei Österreichern über die Lage und die Perspektiven des Landes gesprochen:

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Montenegro

Insert1: Moritz Fried, Speiseeiserzeuger in Montenegro

Insert2: Moritz Fried, Speiseeiserzeuger in Montenegro

Insert3: Christoph Schön, Vertreter der ausländischen Investoren

Insert4: Christoph Schön, Vertreter der ausländischen Investoren

Insert5: Michael Posch, General Manager von Portonovi

Insert6: Michael Posch, General Manager von Portonovi

Gesamtlänge:

In Montenegro entfallen mehr als 20 Prozent der Wirtschaftsleistung auf den Tourismus; im Vorjahr kam fast die Hälfte der 2,5 Millionen ausländischen Gäste mit dem Flugzeug ins Land. Die beiden größten Gruppen bilden Russen und Serben; der russische Markt blieb bisher verschlossen, während Serben erst seit kurzem wieder einreisen dürfen. Derzeit liegen die Tourismuszahlen bei etwa zehn Prozent des Vorjahresniveaus.

Unter diesen Folgen leiden auch viele andere Betriebe massiv, wie etwa die drei Eisgeschäfte, die der Österreich Moritz Fried betreibt, der seit neun Jahren in Montenegro tätig ist. Besonders hart getroffen ist sein Geschäft in der Hafenstadt Budva, das einen Rückgang von bis zu 80 Prozent verzeichnet. Die Altstadt zieht sehr viele ausländische Touristen an, die nun fehlen.

"Es fehlen einfach diese Massen an russischen Touristen; das hat sich widergespiegelt in 10 bis 15 Flügen am Tag, die allein aus Russland in Tivat landen, und da landet jetzt überhaupt niemand."

Doch warum konnte sich COVID 19 so stark ausbreiten?

"Die Leute geben sich noch hier die Hände; man busselt sich noch ab bei den Begrüßungen; wie man das in Österreich kennt, diese neue Realität auch beim Begrüßen, die hat sich hier noch nicht so richtig herumgesprochen."

Die Stadt Podgorica ist das politische und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Zwar hemmen hochrangige Korruption und organisierte Kriminalität tatsächlich die Entwicklung; doch die Realität ist klar besser als der Ruf Montenegros. In diesem Business-Zentrum hat der Sprecher der ausländischen Investoren, ein Österreicher, sein Büro. Wie sehr hat die Corona-Krise die Bevölkerung bereits getroffen?

„Die Lage der Bevölkerung .... ein riesen Vorteil ist.“

Doch Herbst und Winter werden sehr schwierig werden

„Ersparnisse gibt es nicht viele … das ist ganz essentiell.“

Das enorme Potential des Landes zeigt dieses Tourismusprojekt im Westen Montenegros. Das erste „One and Only-Hotel in Europa entsteht ebenso wie Apartments und Villen. Auf einem ehemaligen Stützpunkt der jugoslawischen Streitkräfte baut hier ein Konsortium aus Aserbaidschan dieses Ressort für Reiche und Superreiche. Als General Manager tätig ist hier seit 2016 der Steirer Michael Posch. Mehr als 600 Millionen Euro wurden bisher investiert. Ein Showroom kann gefilmt werden. Die Preise pro Quadratmeter liegen zwischen 8000 und 12.000 Euro:

"Die Größenordnung der ... proportional nach oben."

Die Marina umfasst mehr als 200 Anlegeplätze; innerhalb der Marina können Superjachten bis zu 75 Meter anlegen, davor noch größere Schiffe. Was macht Montenegro für derartige Giganten interessant?

"Solange sie nicht in der EU sind ... tankt hier noch einmal voll und fährt dann weiter Richtung Kroatien."

An diesem Vorteil wird sich so rasch nichts ändern. Der EU-Beitritt Montenegros ist nicht in Sicht, auch weil die EU derzeit wohl nicht bereit ist, neue Mitglieder aufzunehmen.