Der Papst in Nordmazedonien

Mazedonien / Fernsehen / Orientierung / 2019-05-12 12:00

Einleitung

Papst Franziskus ist war am Dienstag zu einem historischen Besuch in Nordmazedonien; denn es war das erste Mal in der Geschichte der Christenheit, dass ein Papst diese kleine Balkan-Land besucht hat. Bedeutsam für die Katholische Kirche ist das Land, weil in Skopje die heilige Mutter Theresa geboren wurde. Nordmazedonien hat zwei Millionen Einwohner; 70 Prozent sind orthodox und 20 Prozent islamischen Glaubens. Nur weniger als ein

Detail

Papst Franziskus ist war am Dienstag zu einem historischen Besuch in Nordmazedonien; denn es war das erste Mal in der Geschichte der Christenheit, dass ein Papst diese kleine Balkan-Land besucht hat. Bedeutsam für die Katholische Kirche ist das Land, weil in Skopje die heilige Mutter Theresa geboren wurde. Nordmazedonien hat zwei Millionen Einwohner; 70 Prozent sind orthodox und 20 Prozent islamischen Glaubens. Nur weniger als ein Prozent sind Katholiken. Eingeladen hat den Papst der scheidende Staatspräsident Gjorge Iwanow. Die politische Führung sieht den Besuch auch als Aufmunterung und Anerkennung für die schmerzlichen Reformen, die auf dem Weg zu NATO und EU erfolgt sind und noch durchzuführten sind. Um den Weg zur euroatlantischen Integration frei zu machen, musste Skopje mit Athen den Namensstreit beilegen, und seinen Staatsnamen von Mazedonien in Nordmazedonien ändern. Damit haben sich viele Mazedonier noch nicht abgefunden; hinzu kommt das nicht immer leichter Zusammenleben mit der albanischen Volksgruppe; ihr Aufstand vor 20 Jahren führte das Land an den Rand des Zerfalls; doch nun haben die Albaner umfassende Rechte erhalten. Das Bemühen um ein gutes Miteinander in diesem multiethnischen Staat würdigte ausdrücklich auch Papst Franziskus.

Kamera: Marjan Ognenowski

Schnitt: Mica Vasilijevic

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Skopje

Insert1: Alojz Gombar, Großneffe von Mutter Theresa

Insert2: Arijan Aslanaj, Museumsdirektor in Skopje

Insert3: Papst Franziskus

Insert4: Kiro Stojanow, Katholischer Bischof in Skopje

Gesamtlänge: 5’15

Bis zum Jahre 1913 war Skopje Teil des Osmanischen Reiches. Damals hieß die Stadt Üsküp, und in Üsküp wurde Mutter Theresa im August 1910 als Anjezë Gonxhe Bojaxhiu geboren. Von ihr ist im heutigen Skopje nur wenig zu finden. Im Zentrum, hundert Meter vom Denkmal für Alexander den Großen entfernt, erinnert ein Gedenkstein daran, dass hier das Elternhaus von Mutter Theresa gestanden hat. Nur wenige Meter davon entfernt im Einkaufszentrum lässt sich mehr über die Ordensfrau erfahren, die 2016 heiliggesprochen wurde. Dort hat der Juwelier Alois Gombar sein Geschäft. Die Familien-Geschichte reicht 350 Jahre zurück, viele waren Juweliere wie Alois Gombar. Der 69-jährige ist ein Großneffe von Mutter Theresa; sie hat er zwei Mal in Skopje getroffen:

"Sie war sehr bescheiden, daran erinnere ich mich gut, obwohl ich noch klein war. Ich sah, dass sie einen Rucksack trug; darin waren ein Paar neuer Sandalen und ein Hemd. Ich habe gewartet, dass ich von ihr etwas bekomme, eine Schokolade oder etwas Süßes. Ich bekam ein Karamellbonbon, das man eine halbe Stunde kauen musste. Dann fragte ich sie: Mutter, warum trägst Du die alten Sandalen, obwohl Du neue im Rucksack hast? Da streichelte sie mir über den Kopf und sagte: "Mein Sohn, ich habe noch so viele Wege vor mir."

Das Museum für Mutter Theresa liegt in der Fußgängerzone. Der zentrale Raum zeigt ein Stadthaus in Skopje zu Beginn des 20. Jahrhundert. Dokumentiert wird das Leben der Ordensfrau, die ihre Heimatstadt mit 18 Jahren verließ. Ihr Vater, Nikollë Bojaxhiu, starb als das Mädchen neun Jahre alt war:

"Er war ein sehr einflussreicher Mann in Skopje, er leitete das städtische Orchester, war Stadtrat, war ein sehr reicher Händler. Seine Frau, Drana, war jene Person, von der alles ausging was ihre Tochter, die künftige Mutter Theresa, betraf."

Auch beim Besuch von Papst Franziskus spielte das Museum eine wichtige Rolle. In der Kapelle im zweiten Stock traf der Papst die Vertreter der anderen Religionsgemeinschaften, der Orthodoxen Kirche, des Islam, der Methodisten und der jüdischen Gemeinde. Im Atrium vor dem Museum sprach der Papst mit den Schwestern des Ordens, den Mutter Theresa gegründet hat, mit ihren Schutzbefohlenen, mit Bedürftigen und Armen.

Die Messe am zentralen Platz war auch in Nordmazedonien der Höhepunkt des Papstbesuches. Mehrere Tausend Gläubige kamen, auch aus anderen Staaten des ehemaligen Jugoslawien. Ihnen stellte Papst Franziskus die heilige Mutter Theresa als ein Beispiel christlichen Lebens dar:

„Hunger nach Brot, Hunger nach Brüderlichkeit und Hunger nach Gott. Wie gut kannte Mutter Theresa all das, getragen von dem Wunsch, ihr Leben auf den zwei Säulen von Jesus aufzubauen, der in der Eucharistie ebenso verkörpert ist, wie in den Armen. Liebe erhalten und Liebe geben; diese beiden untrennbaren Säulen markierten ihren Weg und trieben sie an in dem Eifer, auch ihren eigenen Hunger und Durst zu stillen.“  

In Nordmazedonien gibt es bei zwei Millionen Einwohnern nur etwa 20.000 Katholiken. Die Mehrheit von ihnen sind Katholiken des östlichen Ritus, also orthodoxe Gläubige, die den Primat des Papstes anerkennen. Diese Verbindung geht auf die Union von Kukusch, dem heutigen Kilkis, aus dem Jahre 1859 zurück. Zur Besonderheit diese Verbindung zählt, dass Kiro Stojanow ein Bischof mit zwei Hüten ist, denn er steht sowohl der lateinischen als auch der östlichen Diözese vor. Den Besuch des Papstes bewertet er so:

"Der Papst hat von Beginn seines Pontifikats an den kleinen katholischen Gemeinschaften an der Peripherie große Bedeutung beigemessen. Für uns ist sein Besuch eine Anerkennung unserer kleinen Kirche hier. Daher lautete das Motto auch "Fürchte Dich nicht - kleine Herde!", weil der Papst uns Kleinen große Beachtung schenk, wie ein Hirte, der nach einem verlorenen Schaf sieht. Wir fühlen eine große moralische Unterstützung durch den Besuch des Papstes."

Bedeutsam war der Besuch aber weit über die Katholische Kirche hinaus. In Nordmazedonien leben viele Völker und Volksgruppe. Dauerhaft kann ein friedliches Zusammenleben nur gesichert werden, wenn auch die Religionen gut miteinander auskommen. Einen kleinen Beitrag dazu hat wohl auch der erste Besuch eines Papstes in diesem kleinen Land des Balkan geleistet.