Der Papst, Mutter Theresa und Skopje

Mazedonien / Radio / MiJ / 2019-05-07 12:00

Einleitung

Papst Franziskus ist derzeit in Sopje, der Hauptstadt von Nordmazedonien. Es ist dies der erste Besuch eines Papstes überhaupt in diesem Teil des Balkans. Die auch international bekannteste historische Persönlichkeit dieses Staates ist zweifellos Mutter Theresa, die 1910 in Üsküp geboren wurde, wie damals in osmanischer Zeit das heutige Skopje noch hieß. In der Fußgängerzone von Skopje steht eine Statute der Ordensschwester

Detail

Papst Franziskus ist derzeit in Sopje, der Hauptstadt von Nordmazedonien. Es ist dies der erste Besuch eines Papstes überhaupt in diesem Teil des Balkans. Die auch international bekannteste historische Persönlichkeit dieses Staates ist zweifellos Mutter Theresa, die 1910 in Üsküp geboren wurde, wie damals in osmanischer Zeit das heutige Skopje noch hieß. In der Fußgängerzone von Skopje steht eine Statute der Ordensschwester und ein Museum, das an Mutter Theresa erinnert, die 2016 Papst Franziskus heiliggesprochen hat. Franziskus hat am späten Vormittag auch das Museum besucht, wo er mit Ordensschwestern, Armen und Vertretern der anderen Religionsgemeinschaften aber auch mit Verwandten von Mutter Theresa zusammengetroffen ist. Auf eine Spurensuche nach Mutter Theresa hat sich unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz begeben, hier sein Bericht:

Von Mutter Theresa, die im August 1910 in der damals noch zum Osmanischen Reich gehörenden Stadt Üsküp als Anjezë Gonxhe Bojaxhiu geboren wurde, ist im heutigen Skopje nur wenig zu finden. Im Zentrum, hundert Meter vom Denkmal für Alexander den Großen entfernt, erinnert ein Gedenkstein daran, dass hier das Elternhaus von Mutter Theresa gestanden. Mehr über die berühmte Ordensschwester erfährt man im Einkaufszentrum, das nur wenige Meter vom Gedenkstein entfernt beginnt. Dort hat der Juwelier Alois Gombar sein Geschäft. In den Vitrinen liegen die Schmuckstücke, im kleinen Raum dahinter die Werkstatt des 69-jährigen, der ein Großneffe von Mutter Theresa ist. An der Wand hängen Bilder der Familie und Urkunden noch aus der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Mutter Theresa hat Alois Gombar zwei Mal in seinem Leben getroffen:  

"Sie war sehr bescheiden, daran erinnere ich mich gut, obwohl ich noch klein war. Ich sah, dass sie einen Rucksack trug; darin waren ein Paar neuer Sandalen und ein Hemd. Ich habe gewartet, dass ich von ihr etwas bekomme, eine Schokolade oder etwas Süßes. Ich bekam ein Karamellbonbon, das man eine halbe Stunde kauen musste. Dann fragte ich sie: Mutter, warum trägst Du die alten Sandalen, obwohl Du neue im Rucksack hast? Da streichelte sie mir über den Kopf und sagte: "Mein Sohn, ich habe noch so viele Wege vor mir."

Alois Gombar wurde heute auch vom Papst empfangen. Das Treffen fand in dem Museum für Mutter Theresa in der Fußgängerzone in Skopje statt. Der Ausstellungsraum zeigt ein Stadthaus in Skopje zu Beginn des 20. Jahrhundert. Zu sehen sind Fotos, Exponate und Dokumente, die auch ihre Kindheit in der Stadt zeigen, die sie mit 18 Jahren verließ. Ihr Vater, Nikollë Bojaxhiu, starb als das Mädchen neun Jahre alt war. Zu seiner Bedeutung sagt der Direktor des Museums, Arijan Aslanaj:

"Er war ein sehr einflussreicher Mann in Skopje, er leitete das städtische Orchester, war Stadtrat, war ein sehr reicher Händler. Seine Frau, Drana, war jene Person, von der alles ausging was ihre Tochter, die künftige Mutter Theresa, betraf."  

Mutter Theresa ist neben dem mittelalterlichen Helden Skanderbeg die wohl bekannteste Figur des albanischen Volkes; ihre Bedeutung erläutert Arijan Aslanaj so:

"Wir sind ebenso stolz auf Mutter Theresa wie auf Georg Kastrioti Skanderbeg; das sind zwei Edelsteine, wobei ich sagen möchte, dass Mutter Theresa eine universelle Mutter ist. Beide waren Verteidiger der europäischen Zivilisation, Skanderbeg mit militärischen Mitteln, Mutter Theresa geistig. Das ist die europäische Zivilisation, die heute aufgebaut wird, die wir hier schon vor 100 Jahren hatten. Daher sind wir stolz."

Denn Üsküp war damals eine Stadt, in der unter Osmanischer Herrschaft sehr viele Völker friedlich miteinander lebten. Heute sind es vor allem Mazedonier, Albaner und Roma, die in einem Staat leben, der nun bestrebt ist, seinen Weg Richtung EU und NATO zu gehen, und dessen Führung auch den heutigen Papstbesuch als Aufmunterung für die vielen Reformen betrachtet, die dieser kleine Staat des Balkan noch vor sich hat.