Erdbeben in Kroatien

Kroatien / Zeitung / Kleine Zeitung / 2020-12-30 09:00

Einleitung

„Das ist wie Hiroshima, die halb Stadt gibt es nicht mehr. Ich befinde mich derzeit bei dem toten Mädchen, und wir warten auf Hilfe“ – so schilderte der Bürgermeister von Petrinje, Darinko Dumbovic, im staatlichen kroatischen Fernsehen die Folgen des Erdbebens in seinem 24.000 Einwohner zählenden Städtchen. Neben diesem 12-jährigen Mädchen kamen in Kroatien noch weitere vier Personen ums Leben, doch die Zahl der Todesopfer könnte natürlich noch steigen.

Detail

„Das ist wie Hiroshima, die halb Stadt gibt es nicht mehr. Ich befinde mich derzeit bei dem toten Mädchen, und wir warten auf Hilfe“ – so schilderte der Bürgermeister von Petrinje, Darinko Dumbovic, im staatlichen kroatischen Fernsehen die Folgen des Erdbebens in seinem 24.000 Einwohner zählenden Städtchen. Neben diesem 12-jährigen Mädchen kamen in Kroatien noch weitere vier Personen ums Leben, doch die Zahl der Todesopfer könnte natürlich noch steigen.

Petrinje liegt knapp 50 Kilometer südöstlich von Agram. Das Epizentrum des Erdbebens lag nur drei Kilometer von der Stadt entfernt, die in Kroatien vor allem durch die Wurstfabrik Gavrilovic bekannt ist, deren Eigentümer stark mit Österreich verbunden ist. Über Schäden in der Fabrik war bei Reaktionsschluss noch nichts bekannt; verheerend sind jedenfalls die Bilder aus dem Zentrum. Ganze Straßenzüge hat das Beben mit einer Stärke von 6,3 auf der nach oben offenen Richter-Skala zerstört. Ziegel liegen auf den Straßen, Dächer sind eingestürzt, Autos wurden unter den Trümmern begraben.

An den Aufräumungsarbeiten in Petrinje und anderen betroffenen Städten beteiligen sich Streitkräfte, Feuerwehr und Zivilschutz. Viele Kroaten werden die kommenden Tage in Containern verbringen müssen; das gilt nicht nur für Bewohner zerstörter Häuser, sondern auch für Gebäude, die auf den ersten Blick keine Schäden aufweisen, deren Statik aber noch bewertet werden muss. Nach vorläufigen Schätzungen wurden in den Städten Petrinje, Gline und Sisak 1000 Wohnhäuser beschädigt; wie viele Personen noch unter den Trümmern verschüttet sind, ist derzeit unklar. Schwer beschädigt wurde in Sisak auch der alte Teil des Krankenhauses; 250 Patienten mussten in andere Krankenhäuser verlegt werden. Glück hatte eine werdende Mutter im Krankenhaus in Sisak. Sie gebar ihr Baby unmittelbar während des Erdbebens – Mutter und Kind sind wohlauf.

Ein kroatischer Seismologe sagte, die durch das Erdbeben freigesetzte Energie sei 30 Mal stärker gewesen als beim Beben in März in der Hauptstadt Agram. Dort gab es heute ebenfalls Erdstöße und Schäden an Gebäuden. Das Beben führte zu einem Verkehrskollaps, weil viele Bewohner die Hauptstadt fluchtartig verlassen wollten. Zu spüren war das Erdbeben weit über Kroatien hinaus, und natürlich auch in Slowenien. Dort wurde das Atomkraftwerk Krsko nach dem Beben automatisch stillgelegt und befindet sich in einem sicheren Ruhezustand, teilte die Führung des Kraftwerks in Krsko mit.

Das gestrige Erdbeben ist bereits das zweite, das Kroatien während der Corona-Pandemie trifft. Sie beeinflusst natürlich auch die Evakuierung der von dem Beben betroffenen Personen. In Kroatien wurden seit Ausbruch der Pandemie mehr als eine Million Bürger getestet, das entspricht etwa einem Viertel der Bevölkerung; positiv getestet wurden 207.000 Personen, an oder mit dem Virus gestorben sind 3.800 Personen.