Reportage aus Dubrovnik

Kroatien / Fernsehen / MiJ / 2020-07-06 12:00

Einleitung

In Kroatien, dem liebsten Urlaubsland der Österreicher, sind jüngst die Fälle von Corona-Infektion wieder gestiegen. Doch betroffen sind bisher vor allem die Hauptstadt Zagreb und der Osten des Landes aber kaum Fremdenverkehrsorte. Trotzdem leidet natürlich der Fremdenverkehr massiv unter der Krise; erwartet werden für heuer nur 30 Prozent der Einnahmen des Vorjahres. Doch es bestehen enorme regionale Unterschiede; Die Region der Halbinsel Istrien bis hinunter zur Stadt Zadar sind noch mit dem Auto erreichbar; diese Gebiete haben eine

Detail

In Kroatien, dem liebsten Urlaubsland der Österreicher, sind jüngst die Fälle von Corona-Infektion wieder gestiegen. Doch betroffen sind bisher vor allem die Hauptstadt Zagreb und der Osten des Landes aber kaum Fremdenverkehrsorte. Trotzdem leidet natürlich der Fremdenverkehr massiv unter der Krise; erwartet werden für heuer nur 30 Prozent der Einnahmen des Vorjahres. Doch es bestehen enorme regionale Unterschiede; Die Region der Halbinsel Istrien bis hinunter zur Stadt Zadar sind noch mit dem Auto erreichbar; diese Gebiete haben eine viel bessere Auslastung als Dalmatien und insbesondere die Hafenstadt Dubrovnik. Dort waren bisher Briten und Amerikaner die beiden größten Urlauber-Gruppe. Sie sind bisher fast völlig ausgeblieben, und die Hafenstadt ist derzeit so leer wie schon viele Jahre nicht mehr; eine Reportage von unserem Balkan-Korrespondenten Christian Wehrschütz:

Die Hafenstadt Dubrovnik am Südzipfel Kroatiens verdient zweifellos den schmückenden Beinamen „Perle der Adria“. Die wunderschöne Stadt diente auch als Kulisse für die Serie „Game of Thrones“ und für eine Episode von „Krieg der Sterne“. Doch derzeit zählt die Stadt nur etwas mehr als 2000 Nächtigungen pro Tag; im Vorjahr waren es 25000 und etwa vier Prozent aller Nächtigungen in Kroatien entfielen auf Dubrovnik. Wer Bilder der mit Fremden überlaufenen Stadt kennt, den befällt der Eindruck einer gähnenden Leere. Ein Grund dafür ist auch die geographische Lage; mehr als 80 Prozent der Gäste kommen mit dem Flugzeug; dazu sagt Ana Hrnic, die Direktorin der lokalen Tourismusorganisation:

"Wenn die epidemiologische Lage gut ist, hoffen wir, dass wir bald zwischen 30 und 40 Flugverbindungen haben; das würde uns viel helfen. Worauf wir alle warten ist die britische Entscheidung, ob die Quarantäne gegenüber Kroatien aufgehoben wird. Dann könnten wir wieder Flüge mit unserem Markt Nummer eins aufnehmen. Diese Entscheidung sollte Mitte Juli fallen."

Zweitwichtigste Gruppe waren Amerikaner, doch die direkte Flugverbindung in die USA wurde eingestellt. Die Zahl der Corona-Fälle ist in Dubrovnik derzeit minimal. Doch die Stadt erwartet nun mehr Gäste, und bereitet sich auch auf das Virus vor, betont der Bürgermeister von Dubrovnik, Mato Frankovic:

„Wegen der Zahl der zu erwartenden Gäste und der vorhandenen medizinischen Kapazitäten müssen wir diese Kapazitäten erweitern. Dazu haben wir zusätzliche Räumlichkeiten adaptiert, um für Gäste, sollten sie zufälligerweise infiziert werden, eine Unterbringung, eine angemessene Versorgung und damit medizinische Sicherheit gewährleisten zu können."

Völlig weggefallen ist heuer der Konferenz-Tourismus. Mindestens 70 Prozent des städtischen Budgets hängen am Fremdenverkehr. Noch im Vorjahr zählte Dubrovnik zu den reichsten Städten Kroatiens, doch auch die Ausgaben, vor allem für die Infrastruktur, seien beträchtlich, betont Mato Frankovic:

„Dubrovnik hat 42.000 Einwohner, doch 11 Monate pro Jahr haben wir mindestens 200.000 Einwohner angesichts der vielen Gäste. Daher muss man die Infrastruktur auf 200.000 und nicht auf 42.000 Personen ausrichten; das war in der Vergangenheit das größte Problem von Dubrovnik."

Massiv getroffen wurde auch der Hafen. Im Vorjahr kamen 800.000 Besucher mit Kreuzfahrtschiffen, bis jetzt kein einziger Gast. Allein dadurch büßte der Hafen etwa zwei Millionen Euro an Einnahmen ein; doch die Folgewirkungen seien noch weit größer, erläutert Hrvoje Kulusic, stellvertretender Direktor des Hafens von Dubrovnik:

"Unmittelbar mit dem Geschäft mit den Kreuzfahrtschiffen verbunden sind mehr als 1000 Menschen in Dubrovnik, die verschiedene Dienstleistungen anbieten - vom Fremdenführer bis hin zum Transport der Touristen und Hafenarbeitern. Der Einfluss der Pandemie auf die Region von Dubrovnik ist leider sehr bedeutsam."