Kosovo wählt

Kosovo / Radio / SoJ / 2019-10-06 07:00

Einleitung

Im Kosovo finden heute vorgezogene Parlamentswahlen statt. Etwa 25 Parteien und Koalition treten an. Wahlberechtigt sind etwa 1,9 Millionen Bürger des Kosovo. Ausgelöst hat die Wahl der Rücktritt von Regierungschef Ramush Haradinaj im Juli. Haradinaj trat zurück, nachdem er in Den Haag von einem Sondergericht für Kriegsverbrechen im Kosovo einvernommen worden war. Anklage wurde bisher keine erhoben. Vor Jahren wurde Haradinaj allerdings von dem Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien freigesprochen. Es berichtet unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz:

Detail

Im Kosovo finden heute vorgezogene Parlamentswahlen statt. Etwa 25 Parteien und Koalition treten an. Wahlberechtigt sind etwa 1,9 Millionen Bürger des Kosovo. Ausgelöst hat die Wahl der Rücktritt von Regierungschef Ramush Haradinaj im Juli. Haradinaj trat zurück, nachdem er in Den Haag von einem Sondergericht für Kriegsverbrechen im Kosovo einvernommen worden war. Anklage wurde bisher keine erhoben. Vor Jahren wurde Haradinaj allerdings von dem Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien freigesprochen. Es berichtet unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz:

Glaubt man den nur beschränkt aussagekräftigen Umfragen, so steht im Kosovo ein Machtwechsel bevor. Denn die bisherige Oppositionspartei LDK sollte demnach stimmenstärkste Kraft im Kosovo werden. Hoffnungsträger der LDK ist die 37-jährige Vjosa Osmani; sie wäre die erste Frau, die im Kosovo das Amt des Ministerpräsidenten bekleidet. Osmani stammt aus dem Norden des Kosovo und hat in den USA studiert. Ihr zentrales Ziel sind die Reform des Justizwesens und der Kampf gegen die Korruption. Osmani ist für die Fortsetzung des Dialogs mit Serbien, einen Tausch albanisch bewohnter Gebiete in Südserbien mit dem serbisch-dominierten Nordkosovo lehnt sie ab. Einen Gebietstausch befürworten die Präsidenten Serbiens und des Kosovo, Alexander Vucic und Hashim Thaci, dessen Partei PDK derzeit in der Regierung vertreten ist. Gegen einen Abtausch ist auch die Partei „Selbstbestimmung“ unter Albin Kurti. Nach den Umfragen könnte diese Oppositionspartei bei der Wahl den zweiten Platz belegen. Diese Partei gilt als möglicher Koalitionspartner der LDK unter Vjosa Osmani. Das Parlament im Kosovo hat 120 Sitze; jeweils zehn sind für die Serben und für andere Minderheiten reserviert. 100 Sitze werden unter den albanischen Parteien vergeben. International bedeutsam ist die Wahl wegen der Frage, wie die Parteien abschneiden, die gegenüber Serbien kompromissbereiter sind. Die Wahllokale schließen um 19 Uhr; seriöse Ergebnisse sollten in der Nacht zum Montag vorliegen.