20260413 MiJ Sarajewo Safari oder Mord als Zeitvertreib Wehrsch Mod
Im Zentrum von Sarajewo stehen im Park unter der österreichischen Botschaft sechs Metallzylinder; darauf eingraviert sind 1601 Namen, die Namen jener Kinder, die während der serbischen Belagerung der Stadt getötet wurden. Sicher ist, dass auch Kinder von Scharfschützen ermordet wurden, wie viele ist unklar. Klar ist jedoch, dass diese Scharfschützen nicht nur serbische Soldaten und Söldner waren. Vielmehr kamen an Wochenenden regelmäßig Jäger und andere passionierte Schützen aus dem Ausland zur sogenannten Sarajewo-Safari, um auf Zivilisten schießen zu können. Gesichert ist, dass es wie bei der Jagd unterschiedliche Preise gab. Dazu sagt in Zagreb der kroatische Journalist Domagoj Margetic, der sich seit 30 Jahren mit diesem Thema befasst:
Domagoj Margetic:
17:45
„Das waren damals ungefähr 80.000 Mark. 90 bis 100.000 Mark bezahlte man für Schwangere, Kinder lagen bei 100 bis 120.000 Mark, und dann gab es auch 150.000 Mark, wenn Sie auf eine Mutter mit Kind schossen, die in diesem Moment zusammen waren.
Also wirklich eine monströse Preisliste. Das war der Grundpreis, den man in Belgrad bezahlen mussten. Darin war nichts anderes enthalten außer dem Recht auf Zivilisten zu schießen, wenn man in Sarajewo ankam.“
Gesondert bezahlt werden mussten die Transportkosten nach Sarajewo, eine Reise, die meistens von Belgrad aus begann. Ausgangspunkt in Europa war Mailand, denn Italiener stellten bereits im sozialistischen Jugoslawien die größte Gruppe an Jägern. Darauf aufbauend dürfte sich dieses Geschäftsmodell entwickelt haben; davon erfuhr der ehemalige Mitarbeiter des bosnischen Geheimdienstes, Edin Subasic, durch das Verhör eines serbischen Kriegsgefangenen Ende 1993. In einem Auto machte der Serbe die Bekanntschaft von fünf Italiener, die aus Mailand kamen, eigene Waffen dabeihatten, und auf dem Weg nach Sarajewo waren. Die Aussage des Serben im Verhör schildert Edin Subasic so:
7:24
„Was ihn interessierte war, wie viel Tagesgeld sie bekommen, dass sie in Sarajevo für die Serben kämpfen. Worauf ihm einer dieser Italiener antwortete, dass sie keinen Lohn bekommen, sondern dass sie die Serben bezahlen, um in Sarajevo auf Zivilisten in der Stadt schießen zu können. Wir sind keine Soldaten, wir sind Jäger, wir sind auf Safari gekommen. Ich hörte damals zum ersten Mal von diesem Phänomen und wir verlangten, dass dieser Soldat erneut befragt wird. Und nach einigen Tagen wiederholte er die Geschichte Wort für Wort.“
Edin Subasic ist bei weitem nicht die einzige seriöse Quelle. Aktenkundig ist die Sarajevo Safari auch durch zwei Aussagen vor dem Haager Tribunal; doch ein juristisches Nachspiel lässt bisher auf sich warten; vielleicht ändert sich das nun durch die Untersuchung der Staatsanwaltschaft in Mailand, die mehr als 30 Jahre später die Mauer des Schweigens zum Einsturz bringen könnte.