Interview mit Johannes Sattler EU Botschafter

Bosnien / Radio / Mij / 2021-08-02 12:00

Einleitung

In Sarajewo hat heute der Hohe Bosnien-Repräsentant Valentin Inzko seine Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger, den Deutschen Christian Schmid übergeben. Schmid hat keine leichte Aufgabe vor sich, auch deswegen, weil Inzko wenige Tage vor dem Ende seiner 12-jährigen Amtszeit seine Sondervollmachten nutze, und die Leugnung des Völkermordes in Srebrenica an bis zu 8000 Bosniaken durch serbische Einheiten unter Strafe stellte. Seither boykottieren

Detail

In Sarajewo hat heute der Hohe Bosnien-Repräsentant Valentin Inzko seine Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger, den Deutschen Christian Schmid übergeben. Schmid hat keine leichte Aufgabe vor sich, auch deswegen, weil Inzko wenige Tage vor dem Ende seiner 12-jährigen Amtszeit seine Sondervollmachten nutze, und die Leugnung des Völkermordes in Srebrenica an bis zu 8000 Bosniaken durch serbische Einheiten unter Strafe stellte. Seither boykottieren die bosnischen Serben alle staatlichen Institutionen, und das erschwert auch die Reformen und damit die EU-Annäherung; EU-Botschaft in Bosnien ist der Österreicher Johannes Sattler; ihn hat unser Balkan-Korrespondent Christian bei einem Besuch von Projekten begleitet, die die EU in Bosnien finanziert:

EU-Anbindung ist ein Begriff, der in Bosnien und Herzegowina durchaus wörtlich zu nehmen ist. Nicht zuletzt um dem Einfluss Chinas entgegenzuwirken, finanziert die EU große Projekte zur Verbesserung der Infrastruktur. Ein Beispiel ist die Autobahnbrücke im Nordwesten bei Gradiska an der Grenze zu Kroatien. Die Brücke solle bis zum Mai des kommenden Jahres fertiggestellt sein. Die Baustelle besuchte jüngst der österreichische EU-Botschafter Johannes Sattler. Das wichtigste Projekt sei aber der Korridor 5c von Budapest über das kroatische Osijek bis zum bosnischen Adria-Hafen Ploce, betont Johannes Sattler:

Etwa 100 Millionen Euro an Zuschüssen stellt die EU pro Jahr für die Modernisierung des Landes bereit. Dazu zählen Projekte im Tourismus, aber auch das Räumen von Minen, das bis 2025 abgeschlossen sein soll. Bosnien hat vor fünf Jahren den Beitritt zur EU beantragt, doch eine positive Antwort aus Brüssel hängt von der Erfüllung von Bedingungen ab, und daran werde derzeit intensiv gearbeitet, erläutert Sattler:

Doch Bosnien ist ein kompliziertes Staatswesen mit zwei Teilstaaten und zehn Kantonen; hinzu kommt das schwierige Verhältnis von Bosniaken, Serben und Kroaten; und das wirkt sich auch auf das Tempo der EU-Annäherung aus; dazu sagt Sattler:

Dieses „Abarbeiten“ hat der jüngste Beschluss des heute aus seinem Amt geschiedenen Hohen Repräsentanten Valentin Inzko nicht gerade erleichtert. Dabei ist Bosnien für die EU aber auch für Österreich ein wichtiges Land, nicht zuletzt wegen des Kampfes gegen illegale Migration und weil Österreich zu den größten ausländischen Investoren zählt.