Interview mit österreichischem EU-Botschafter

Bosnien / Fernsehen / Aktuell nach Eins / 2021-08-02 13:00

Einleitung

12 Jahre war der Österreicher Valentin Inzko Hoher Repräsentant in Bosnien und Herzegowina. Seit heute hat diese Funktion der Deutsche Christian Schmid inne. Doch damit hat Österreich in Bosnien und Herzegowina keineswegs an Einfluss verloren; denn die noch wichtigere Funktion des Leiters der EU-Delegation hat ebenfalls der Österreicher Johannes Sattler inne. Die EU ist der bei weitem größte Geldgeber bei der Modernisierung des Landes, in dem das Zusammenleben zwischen Bosniaken, Serben und Kroaten auch 25 Jahr nach Kriegsende immer noch belastet ist. Ziel der EU ist es, die Korruption einzudämmen und den Rechtsstaat zu stärken, um so Bosnien schrittweise reif für den Beginn von Beitrittsverhandlungen zu machen. Das liegt auch im Interesse Österreichs, das zu den größten Investoren zählt.

Detail

12 Jahre war der Österreicher Valentin Inzko Hoher Repräsentant in Bosnien und Herzegowina. Seit heute hat diese Funktion der Deutsche Christian Schmid inne. Doch damit hat Österreich in Bosnien und Herzegowina keineswegs an Einfluss verloren; denn die noch wichtigere Funktion des Leiters der EU-Delegation hat ebenfalls der Österreicher Johannes Sattler inne. Die EU ist der bei weitem größte Geldgeber bei der Modernisierung des Landes, in dem das Zusammenleben zwischen Bosniaken, Serben und Kroaten auch 25 Jahr nach Kriegsende immer noch belastet ist. Ziel der EU ist es, die Korruption einzudämmen und den Rechtsstaat zu stärken, um so Bosnien schrittweise reif für den Beginn von Beitrittsverhandlungen zu machen. Das liegt auch im Interesse Österreichs, das zu den größten Investoren zählt.

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Bosnien und Herzegowina

Insert1: Enes Kahrimanovic, Prokurist der Firma Austronet

Insert2: Johannes Sattler, Österreichischer EU-Botschafter in Bosnien

Insert3: Johannes Sattler, Österreichischer EU-Botschafter in Bosnien

Gesamtlänge: 3’00

Die Firma Austronet liegt in der Gemeinde Prijedor im Nordwesten von Bosnien im Grenzgebiet zu Kroatien. Die Tochter eines Betriebes aus Oberösterreich produziert Sonnensegel, Schutznetzte mit Werbungen für Tennisplätze und Baustellen. Die 150 Mitarbeiter verdienen im Durchschnitt zwischen 450 und 600 Euro netto im Monat, und zwar 14 Mal, nicht zuletzt um der starken Abwanderung in der EU entgegenzuwirken. Doch die Nähe zur EU ist auch ein Grund für die Attraktivität des Standortes:

2'59'2 - Vorteile und Nähe zur EU - 3'54'7

"Zur Autobahn, die uns mit der EU verbindet sind es etwa 60 Kilometer. Mit einem LkW brauchen wir von hier nach Linz, Salzburg oder Wien zwischen sieben und acht Stunden. Hinzu kommen unsere Tradition als Industriestandort, gut ausgebildete und fleißige Arbeitskräfte; daher wird hier viel in neue Betriebe investiert."

Besucht hat diese Firma jüngst Johannes Sattler; der Österreicher ist seit fast zwei Jahren Botschafter der EU in Bosnien. Mit 100 Millionen Euro pro Jahr ist die EU der wichtigste Geldgeber bei der Modernisierung des Landes und seiner Anbindung an die EU. Anbindung ist durchaus wörtlich gemeint; dazu dienen Infrastrukturprojekte wie diese Autobahnbrücke beim Grenzübergang Gradiska zu Kroatien. Das größte Projekt ist aber der Korridor 5c von Budapest über Kroatien bis zum bosnischen Adria-Hafen Ploce:

57'6 - Infrastruktur - 1'23'5

In Bosnien die Erblast des Krieges nach wie vor die politische Zusammenarbeit zwischen Bosniaken, Serben und Kroaten – auch auf dem Weg Richtung EU. Seit einigen Jahren kann das Land aber nun Milch in die EU exportieren. Bei der Modernisierung von Betrieben hilft Brüssel ebenfalls:

1'46'9 - Betriebe unterstützen - 2'06'5

Diese Unterstützung ist kein Selbstzweck. Nur wenn die EU stark präsent ist können andere Kräfte bis hin zum islamischen Fundamentalismus im Zaum gehalten werden, denn ein Vakuum gibt es auch in der Politik nicht.