Interview mit Valentin Inzko zum Abgang

Bosnien / Fernsehen / ZiB2 / 2021-07-30 22:00

Einleitung

„Sag zum Abschied leise servus“ – war offensichtlich nicht das Motto, das der Österreicher Valentin Inzko für das Ende seiner 12-jährigen Amtszeit als Hoher Repräsentant in Bosnien und Herzegowina gewählt hat. Denn sein Abgang erfolgte mit einem Knalleffekt, weil Inzko - zum ersten Mal seit sechs Jahren - seine Sondervollmachten nutze, um die Leugnung des Völkermordes an bis zu 8.000 Bosniaken in Srebrenica unter Strafe zu stellen. Das sorgte bei den bosnischen Serben für massive Proteste. Ihre Politiker boykottieren nun die Institutionen

Detail

„Sag zum Abschied leise servus“ – war offensichtlich nicht das Motto, das der Österreicher Valentin Inzko für das Ende seiner 12-jährigen Amtszeit als Hoher Repräsentant in Bosnien und Herzegowina gewählt hat. Denn sein Abgang erfolgte mit einem Knalleffekt, weil Inzko - zum ersten Mal seit sechs Jahren - seine Sondervollmachten nutze, um die Leugnung des Völkermordes an bis zu 8.000 Bosniaken in Srebrenica unter Strafe zu stellen. Das sorgte bei den bosnischen Serben für massive Proteste. Ihre Politiker boykottieren nun die Institutionen des komplizierten Staates, der aus zwei Teilstaaten und zehn Kantonen besteht. Außerdem soll das Parlament der bosnischen Serben heute in Banja Luka beschließen, dass die Bezeichnung des serbischen Teilstaates als Ergebnis des Völkermordes ebenfalls mit langjährigen Freiheitsstrafen bedroht wird.

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Bosnien und Herzegowina

Insert1: Valentin Inzko, scheidender Hoher Repräsentant in Bosnien

Insert2: Valentin Inzko, scheidender Hoher Repräsentant in Bosnien

Insert3: Valentin Inzko, scheidender Hoher Repräsentant in Bosnien

Insert4: Ivana Maric, Politologin in Sarajewo

Gesamtlänge: 3’38

Das Massaker in Srebenica, das Serben im Sommer 1995 praktisch vor den Augen niederländischer UNO-Soldaten verübten, war der schlimmste aber nicht einzige Massenmord, der in Bosnien geschah. Hauptverantwortlich dafür ist General Ratko Mladic, den das Haager Tribunal auch deswegen zu lebenslanger Haft verurteilte. Doch das erste Urteil wegen Völkermordes in Srebrenica sprach das Tribunal bereits vor 20 Jahren. Warum wartete Valentin Inzko also 12 Jahre, bis er die Leugnung des Genozids in Bosnien unter Strafe stellte?

Inzko 1 – „Und in diesem Urteil … relativ spät geschehen.“ (28)

Zu den Leugnern zählt Milorad Dodik, der starke Mann der bosnischen Serben. Dodik spielt immer wieder die nationalistische Karte; auch Valentin Inzko zählt zu den Feindbildern der Serben, die nun alle staatlichen Institutionen boykottieren:

Inzko 2 – „Es könnte dazu kommen … aber später wird das wieder abklingen (25)

Frage – (14)

Inzko 3 – „Ich glaube die Krise … zwischen den Politikern schon“ (32)

Der Sommer ist die Zeit, in der viele Bosniaken aus aller Herren Länder auf Urlaub nach Sarajewo kommen. Das zeigte ein Besuch mit Valentin Inzko in einem Restaurant im Stadtzentrum. Von den USA bis hin zur Schweiz reichte die geographische Bandbreite der Bosniaken, die sich mit dem Österreicher fotografieren wollten. Kritischer sehen seinen Beschluss bosniakische Politologen:

1'32'2 - Folgen von Inzko - 1'55'8

„Alle realen Probleme wurden nun beiseitegeschoben, die COVID-Impfungen, das Gesundheitswesen, Wirtschaft und Korruption, all das wurde nun vergessen, und neuerlich wurde die Bevölkerung gespalten, bis hin zur Frage der Abspaltung des serbischen Teilstaates; völlig unnötig wurden Spannungen geschürt."

Davon profitieren nur die Nationalisten aller drei Volksgruppen, während Bosnien weiterhin das Schlusslicht auf dem Weg Richtung EU am Balkan ist.