Gedenken an Massaker von Bleiburg

Bosnien / Radio / Religion Aktuell / 2020-05-18 14:00

Einleitung

In Sarajewo hat am Samstag der bosnische Kardinal, Vinko Puljic, eine Messe für die Kroaten und all jene Personen gelesen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges oder unmittelbar danach von den siegreichen kommunistischen Partisanen ermordet wurden. In Kroatien wird dieser Opfer jedes Jahr gedacht, wobei die zentrale Gedenkfeier stets am Loibnerfeld bei Bleiburg in Kärnten stattfindet, doch heuer fiel sie Corona-bedingt aus. Bei Bleiburg versammelten sich bei Kriegsende Zehntausende Personen, Soldaten, Angehörige der

Detail

In Sarajewo hat am Samstag der bosnische Kardinal, Vinko Puljic, eine Messe für die Kroaten und all jene Personen gelesen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges oder unmittelbar danach von den siegreichen kommunistischen Partisanen ermordet wurden. In Kroatien wird dieser Opfer jedes Jahr gedacht, wobei die zentrale Gedenkfeier stets am Loibnerfeld bei Bleiburg in Kärnten stattfindet, doch heuer fiel sie Corona-bedingt aus. Bei Bleiburg versammelten sich bei Kriegsende Zehntausende Personen, Soldaten, Angehörige der kroatischen Ustascha-Faschisten aber auch viele Zivilisten; sie wurden von den Briten an die Partisanen ausgeliefert, die dann wahllose Massenmorde begingen. Kritisiert wird dieses Gedenken, weil dabei in vergangenen Jahren Symbole der Ustascha zu sehen waren, die im Zweiten Weltkrieg Massenmorde vor allem an Serben und Juden begangen haben. Es berichtet Christian Wehrschütz:

Die Gedenkmesse in Sarajewo fand wegen der Einschränkungen der Corona-Epidemie, die auch in Bosnien gelten, praktisch ohne Gläubige statt, wurde aber vom kroatischen Fernsehen übertragen; in seiner Predigt sagte Kardinal Vinko Puljic zu den Massenmorden durch die siegreichen kommunistischen Partisanen:

"Jedem unschuldigen Opfer schulden wir dieselbe Achtung; da darf es keine Unterschiede der Rasse, der Nation, des Glaubens oder der Partei geben. Insbesondere die massenhafte Liquidierung ohne irgendein Gericht oder ohne Beweise der Schuld sind immer ein schweres Verbrechen vor Gott und den Menschen."

Im Zweiten Weltkrieg gehörten große Teile von Bosnien und Herzegowina zum sogenannten „Unabhängigen Kroatischen Staat der Ustascha, die auch in Bosnien massive Verbrechen verübten; andererseits kämpfte eine aus muslimischen Bosniaken gebildete Waffen-SS-Division auf deutscher Seite gegen Partisanen. Diese Geschichte wurde ebenso wenig aufgearbeitet wie der Bosnien-Krieg, der 1995 endete; gegen die Messe demonstrierten in Sarajewo einige Tausend Personen. Scharf verurteilt wurde sie von den Serben und der jüdischen Gemeinde. Darauf ging Vinko Pulijc nicht ein; doch zum Thema Aussöhnung sagte der Kardinal:

"Klar ist, dass ein Klima des Zusammenlebens, der Verzeihung und der Aussöhnung und der Rückkehr des Vertrauens geschaffen werden soll. Diese lebenswichtigen Grundlagen für den Aufbau des Friedens ruhen auf der Basis der Wahrheit. Vertrauen und Aussöhnung können nicht ohne inne Katharsis aufgebaut werden die auf den Worten des Evangeliums gründet: "Die Wahrheit wird euch freimachen."

Kleinere Gedenkfeiern fanden auch in Kroatien statt; in der Hauptstadt Zagreb nahm unter anderem der amtierende Außenminister Gordan Grlic Radman daran teil. Der sozialdemokratische Präsident, Zoran Milanovic, legte für die Opfer in der Gedenkstätte im slowenischen Maribor, dem alten steirischen Marburg, einen Granz nieder. Dort wurden ebenfalls Tausende Menschen ermordet; in Slowenien sind insgesamt mehr als 500 Massengräber aus der Zeit unmittelbar nach Kriegsende erfasst.